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Was ist Bekehrung?

Zuletzt bearbeitet am 04. Februar 2013
Was ist Bekehrung?

Das ist Bekehrung...


▪ John Westerhoff schreib dazu folgendes:

„Bekehrungserlebnisse mögen sich plötzlich oder allmählich vollziehen, dramatisch oder undramatisch, emotional oder rational, immer aber führen sie zu einer grundlegenden Veränderung im Denken, Fühlen und Wollen eines Menschen, kurz: in seinem ganzen Verhalten“

Bekehrung ist in dem allermeisten Fällen ein Prozess, bei dem Menschen zunächst im Glauben einer Gemeinschaft aufwachsen (Religion des Herzens), dann auf einmal von Zweifeln heimgesucht werden und sich auf die intellektuelle Suche nach tragfähigen Antworten machen (Religion des Kopfes) und schließlich, als Jugendliche oder junge Erwachsene, Erleuchtung, Gewissheit und Identität erleben“.

> Laut Westerhoff durchläuft der Glaube folgende Stufen:



> Bekehrung ist für ihn die totale, bewusste Lebensübergabe. Diese kann nur nach dem Erreichen der 4. Stufe (eigener Glaube) geschehen. Doch diese Stufe wird wohl frühestens als Teenie erreicht.

> Machen wir uns noch einmal klar: Jede, der von Westerhoff beschriebenen Entwicklungs-stufen, ist eine Stufe des Glaubens! Das Kind kommt also nicht erst auf der letzten Stufe plötzlich zum Glauben. Nein, der ganze Prozess ist von A bis Z ein Prozess wachsenden Glaubens.

Bei unserer Verkündigung muss es uns folglich darum gehen, den Glauben, den das Kind bereits hat, zu fördern und zur weiteren Entfaltung zu bringen. Statistiken zeigen, dass die Bekehrung im Sinne von Westerhoff, also als Brücke zwischen dem suchenden und dem eigenen Glaube, vor allem eine Erfahrung des Teen-Alters ist. Eine Reihe von sechs Studien, die zwischen 1899 und 1959 in den USA durchgeführt wurden, ergaben ein Durchschnittsalter zwischen 12,7 und 16,6 Jahren für die Bekehrung. Außerhalb dieser Altersspanne waren Bekehrungen seltener und dünner gesät. Danach wäre also der Beginn des Jugendalters die  Zeit der Bekehrung. „Das statistische Zahlenmaterial ist eindeutig und lässt nur den einen Schluss zu, dass die christliche Bekehrung ein Phänomen des Jugendalters ist“. Bedeutet das, dass es keine Kinderbekehrungen im eigentlichen Sinne geben kann? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns einem anderen Entwicklungsmodell zuwenden.

James Fowler sagt folgendes:

„Ein Mensch (Kind) kann in jeder Lebens- und Glaubensphase bekehrt werden.“

Bekehrung kennt verschiedene Stufen, auch wenn sie noch nicht alles beinhaltet. Später folgen die weiteren Elemente gemäss den Altersstufen. Er akzeptiert die vier Stufen des Glaubens von Westerhoff. Nach seinem Verständnis hängt die Bekehrung mit Veränderungen in den Glaubensinhalten zusammen.

Daraus ergeben sich für ihn fünf Möglichkeiten:

  1. Phasenwechsel ohne Bekehrung  wie im Beispiel des Mannes, dessen Frau gestorben ist.
  1. Phasenwechsel, der eine Bekehrung auslöst. Ein Beispiel wäre der Jugendliche in der Phase des „Herdentriebs“ und des „Glaubens aus Zugehörigkeit“, der beginnt, nach Sinn und Ziel seines Lebens zu fragen. Während er in die Phase des „suchenden Glaubens“ eintritt, findet gerade eine Evangelisation statt, bei der er Christus annimmt.
  1. Bekehrung ohne Phasenwechsel, z.B. bei einem elfjährigen Kind mit nichtchristlichem Hintergrund, das sich dem christlichen Glauben öffnet, aber auf der Stufe des „Glaubens aus Zugehörigkeitsgefühl“ bleibt.
  1.  Bekehrung, die einen Phasenwechsel auslöst: Ein Teenager ist mit seiner Clique zu einer Evangelisation gegangen. Keiner von ihnen hat einen christlichen Hindergrund. Doch nun bekehren sich einige von ihnen bei dieser Evangelisation. Ihr Glaubensinhalt ändert sich damit, aber sie sind noch alle auf der Stufe des Glaubens aus Zugehörigkeitsgefühl. Doch unser Teenager beginnt im Anschluss an seine Bekehrung, die Bibel zu lesen und über seinen Glauben nachzudenken. Er erkennt, dass er Christus die Herrschaft über alle Lebensbereiche überlassen muss. Seine Bekehrung hat einen Phasenwechsel ausgelöst.
  1.  Bekehrung mit anschließender Phasenblockierung. Stellen wir uns jemanden vor, der sich in einem Kinderlager oder einer evangelistischen Kinderwoche bekehrt hat, aber mit wachsendem Alter nie im Glauben gereift ist.  Diese Person kann einen aufrichtigen und tiefempfundenen Glauben haben, doch ist dieser Glaube im Wesentlichen so naiv und unentwickelt geblieben, wie er bei der Bekehrung war. Wenn nun irgendwann einmal Zweifel und Fragen auftauchen, muss er sich entweder total abkapseln, oder er zerbricht. Leider gibt es in unseren Gemeinden viele Christen mit einem solchen Glauben, der in seiner Entwicklung stecken geblieben ist.

Das Evangelium für Kinder

Was machen wir aber dann, wenn wir Kindern das Evangelium verkündigen? Nach Westerhoffs Logik befinden wir uns allenfalls im Vorfeld der Bekehrung, versuchen einige Grundlagen für eine spätere Bekehrung zu legen.

▪ Erstens streuen wir Samen für die Zukunft aus. Kinder, die das Evangelium hören, mögen noch nicht für den Akt der Lebensübergabe und das Stadium des eigenen Glaubens bereit sein, aber sie können die Wahrheit speichern und für die Zeit aufbewahren, wenn sie „dran“ ist. Ein zehnjähriges Kind, das an einem Ferienlager teilnimmt, erinnert sich vielleicht fünf oder sechs Jahre später bei der Suche nach einem tragfähigen Grund für sein Leben an das, was es in jener Woche über Jesus gelernt hat. Nun bekommt das  zum ersten Mal einen unmittelbaren Bezug zum eigenen Leben. Plötzlich (oder allmählich) geht ihm ein Licht auf, und es entdeckt den Sinn, nach dem es so lange gesucht hat. Die Saat geht auf.

▪ Zweitens bringen wir vielleicht ein Kind einfach dazu, sich an einer neuen Gruppe zu orientieren. Erinnern wir uns daran, was wir im ersten Teil über die Entwicklungsphasen des Kindes gesagt haben: Die Kindheit und das frühe Teen-Alter sind die Zeit der Gruppenbildung. Die Kinder übernehmen die Überzeugungen der „Herde“ oder wichtiger Erwachsener, z.B. der Eltern (oder Leiter). Nach allem, was wir von der kindlichen Entwicklung wissen, ist es höchst unwahrscheinlich, dass ein Kind im Grundschulalter sich in einer Kinderwoche, in einem Lager oder in der Sonntagschule in einem „erwachsenen“ Sinne bekehrt, d.h. die eigenständige Entscheidung trifft, sein Leben nach völlig neuen Maßstäben zu gestalten. Zu so weitreichenden und vielschichtigen Entscheidungen sind Kinder im Allgemeinen noch gar nicht fähig. Wahrscheinlicher ist, dass das Kind, das während einer Kinderwoche, in der Jungschar oder Sonntagschule anscheinend eine Entscheidung für Christus trifft, sich in Wirklichkeit für die Zugehörigkeit zur Gruppe entscheidet. Das hat mit Unehrlichkeit überhaupt nichts zu tun. Der Entschluss, sich von ganzem Herzen einer neuen „Herde“ anzuschließen (der Jungschar, der Gemeinde, der Sonntagschule, dem Bibelkreis...) kann aus tiefstem Herzen kommen. Gibt es für ein Kind in diesem Alter etwas Ehrlicheres und Wichtigeres, als sich mit Herz und Seele einer neuen Gruppe anzuschließen (besonders einer, die im Allgemeinen nicht sehr populär ist) und deren Überzeugungen zu übernehmen? Hier ist die ganze Hingabe gefragt, zu der ein Kind überhaupt nur fähig ist.

Aber diese Hingabe bedeutet eben eher die Hingabe an eine Gruppe von Menschen und ihrem Glauben als die persönliche Annahme eines Systems von Wahrheiten. Manchmal mag das einen festen persönlichen Glauben an die Person Jesu einschließen, manchmal das Ja zum gemeinsamen Glauben der Gruppe. Wir sollten solchen „Gruppen-„ oder „Herdenglauben“ nicht verachten oder als minderwertig betrachten. Die Treue zur Gruppe ist oft die höchste Form der Treue, die ein Kind außerhalb seiner unmittelbaren Familie beweisen kann.

Erwarten wir doch von einem Kind keine typischen Erwachsenenreaktionen!  Freuen wir uns stattdessen, wenn es auf unsere Verkündigung so antwortet, wie das seiner Entwicklungsstufe entspricht.

▪ Drittens kann es bei unserer Verkündigung des Evangeliums an Kinder geschehen, dass wir dabei den Übergang von einer Stufe des Glaubens zur nächsten auslösen. Der Vierzehn-jährige, der das Evangelium hört, wird vielleicht zum ersten Mal mit den grundlegenden Fragen von Leben und Tod konfrontiert und kommt damit in die Phase des suchenden Glaubens. Das Nachdenken über letzte Fragen, d.h. suchenden Glauben, auszulösen, ist nicht leicht, wenn es einer Gruppe gut geht und sie sich nicht existentiell mit Schwierigkeiten und Leid auseinandersetzen musste. In unserer Wohlstandsgesellschaft wachsen viele Teenager in einem geschützten Raum auf, gegen alle Stürme des Lebens abgeschirmt. Andere erleben die Kehrseite dieses wirtschaftlichen Klimas und wachsen in einer Atmosphäre der Unsicherheit auf. Beide Gruppen sind oft viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich um „letzte Fragen“ zu kümmern. Und doch: Wenn das Stadium des Fragens und Suchens erreicht wird  (und sei es erst in den zwanziger oder dreißiger Jahren), kommt es oft vor, dass jemand, der als Kind oder Teenager das Evangelium gehört hat, sich nun auf einmal daran erinnert, was er Jahre zuvor gelernt hat.


Die Konsequenz dieses Konzeptes des Gnadenbundes liegen auf der Hand: Wir  müssen Kinder von Christen als Glieder des Reich Gottes betrachten, wenn und solange sie nicht Gottes  Bundesverheißung zurückgewiesen haben. Das bedeutet, dass wir solche Kinder nicht zur Bekehrung drängen, sondern ihnen helfen,  in ihrem Glauben zu wachsen und zu reifen. Wir müssen ihnen Mut machen, den Segen in Anspruch zu nehmen, der ihnen aufgrund ihres Status als Kindern des Bundes bereits zusteht. Wenn uns das einmal klar geworden ist, befreien wir uns als Eltern und Evangelisten von dem schrecklichen Druck, Kinder, die Gott schon angenommen hat, zu irgendeiner Art von Bekehrungserlebnis zu bringen. Und, was nicht weniger wichtig ist, wir nehmen unseren Kindern die Angst und lassen sie das sein, wozu Gott sie schon gemacht hat: Erben seines Gnadenbundes in Christus.


Quellennachweis

Titelbild: 

Clipart mit freundlicher Genehmigung des Verlages buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart  -  www.ejw-buch.de

aus:  Jungscharleiter Grafik-CD plus; Zweite überarbeitete Auflage 2002

© buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart

Inhalt und Literatur:

  • Wie Kinder glauben, Francis Bridger, Oncken Verlag Wuppertal und Kassel, © 1990 Bibellesebund Winterthur
  • Curdin Strasser

Die Autoren: kurtmühlematter
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