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Soll ich - soll ich nicht?

Zuletzt bearbeitet am 01. Februar 2016
Soll ich - soll ich nicht?

Ich tu es! Ich tu es nicht! Tu ich es? Tu ich es nicht?

Rausgehen, auf andere zugehen, braucht Überwindung. Was denkt sie/er, wenn ich plötzlich komme und den Glauben vorlebe oder etwas davon erzähle?

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Forum Heft-Artikel.


Ich bin nicht Billy Graham und habe Hemmungen auf Menschen zuzugehen ...

Ich kann mich gut erinnern, als ich so als 17-jähriger in die Jugendgruppe ging. Damals wurden immer in der Adventszeit Outdoor-Einsätze gemacht. Im Jugiprogramm wurden sie deklariert mit «evangelistisch». Das bedeutete, dass wir mit der Gitarre bewaffnet zur nächst grösseren Menschenansammlung fuhren, Lieder sangen und ein Anspiel vortrugen. Bei den ersten Einsätzen kostete mich das Überwindung. Dann ging es irgendwie leichter. Und mit der Zeit verlor es an Reiz, so dass ich nicht mehr teilnahm.

Einige Jahre später, ich hatte die Bibelschule abgeschlossen und meine erste Stelle als Prediger angetreten, war ich selber Jugendgruppenleiter. In der Gruppe gab es einige Jungs, die waren evangelistische «Überflieger». An einem Abend kamen sie mit der Idee, wir könnten im Dorf eine Umfrage machen, warum sie (die Befragten) nicht an Jesus glauben.


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    Wie reagieren?

    Auf der einen Seite sollte man hinausgehen. Ich wollte die Menschen für Jesus gewinnen (und den Jugendlichen ein Vorbild sein). Andererseits bin ich nicht Billy Graham und habe Hemmungen auf Menschen zuzugehen. Zu zweit oder zu dritt gingen wir los. So kam es, wie es kommen musste. An der ersten Tür erwartete mich der Metzger. Ich stellte ihm meine Fragen vom Umfragebogen. Eine davon war: Warum glauben sie nicht an Jesus? Ein hochspannendes Gespräch fand dann statt, in dem er nicht von seinem und ich nicht von meinem Standpunkt abwich. Trotz seiner Ablehnung gegenüber Jesus erzählte er erstaunlich viel aus seinem Leben, was er alles erlebt hatte, warum er nicht glauben konnte und warum ihm Christen auf den Wecker gingen. Mit guten Wünschen für den Tag ging ich zur nächsten Adresse. Für den späteren Abend hatten wir dann einen Austausch und eine Gebetszeit im Jugiraum eingeplant. Es war interessant zu hören, was jede/r erlebt hatte. Für mich war es ganz wichtig, in eigenen Worten zu reflektieren, wie ich die Umfrage erlebt habe, welche Freude, Not oder Angst ich dabei fühlte. Es tat auch den anderen gut, zu hören, wie es einem Prediger erging.

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    Schallmauer durchbrechen

    Ich hatte zwei Probleme zu lösen. Erstens musste ich mich auf das Abenteuer einlassen, obwohl ich vom Typ her zurückhaltend war (zuerst selber im Glauben wachsen, Beziehungen in Ordnung bringen, etc.). Die zweite Grenze, die ich durchbrechen musste, war die Frage: was bedeutet «rausgehen»?

    Mein bisheriges Bild davon war mit «geplanten Einsätzen» verknüpft. Heute gibt es für mich eine grössere Bandbreite, viele Gesichter. Rausgehen bedeutet für mich heute, den Glauben nicht mehr zu privatisieren, sondern auf eine natürliche und überzeugende (der Situation angepasste) Methode meinen Mitmenschen zu erzählen oder vorzuleben, was Christsein bedeutet. Ich komme von der Konsum- in die Produktionshaltung. Dann steht aber der nächste Gedanke schon vor der Tür.

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    Warum tue ich mir das an?

    In der Redaktionssitzung haben wir uns gefragt, wo die gesunde Mitte ist zwischen Rausgehen und Ruhen (einmal mit gutem Gewissen nichts tun). Jede Medaille hat zwei Seiten. Wenn wir auf die eine Seite schauen, dann ist die andere im Hintergrund. Aber sie ist immer noch da. Jetzt gibt es Denkrichtungen, die betonen sehr stark das Ausruhen im Geist, das Maria-sein zu Füssen Jesu. Darauf reagieren die Marta-Menschen empfindlich : «O Herr, sag diesen Christen, dass ich mich für dich abmühe und sie mir ein wenig behilflich sein sollen.»

    Die gesunde Mitte ist Jesus. Sobald wir aber aus der Mitte fallen, beginnt das Vergleichen. Plötzlich können es die anderen besser und wir fragen uns: Warum tu ich mir das an? Das Vergleichen hat den grossen Nachteil, dass wir zu diesem Zeitpunkt nur die eine Seite der Medaille sehen.

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    Was habe ich gelernt?

    In den letzten Jahren meines Christseins entdeckte ich die Freude an Jesus. Wenn ich rausgehe, auf meine Mitmenschen zugehe, dann freue ich mich ab all den Christen, die eine Ruhezeit brauchen. Denn ruhen heisst, beten und wachen für das eigene Glaubensleben (und das der anderen), damit man nicht in Anfechtung fällt. Wenn ich eine Ruhephase habe, dann bete ich für die Christen, die rausgehen.

    Rausgehen können wir im Frauentreff, Hauskreis, in der Jungschar, Ameisli, etc. Rausgehen ist keine Methode, sondern ein Lebensstil.

    Die gesunde Mitte heisst, ein Leben zu führen mit Jesus. Wenn wir das tun, wo wir unsere Begabungen haben, werden wir uns nicht überfordern. Im Gegenteil: Wir werden uns gegenseitig ergänzen und, was vor allem wichtig ist, wir werden Täter des Wortes (Jak. 1). Der Knackpunkt ist oft, dass wir nicht wissen, was wir können, wo wir unsere Begabungen haben. Häufig vergleichen wir, was wir nicht haben mit dem, was andere haben. Dann spielt Maria gegen Marta. Die Folge ist, dass die Mitte nicht Jesus, sondern wir selber sind. Nicht mehr das Hören und das Tun ist dann die Mitte, sondern unsere Rechtfertigung, warum wir so oder anders sind. Eine weitere Folge ist, dass unser Umfeld mitbekommt, wie wir miteinander umgehen. Es verliert das Interesse an einer Begegnung mit Jesus. Darum ist es wichtig, dass wir Maria- und Marta-Seiten in uns haben. Wir brauchen beide Seiten der Medaille. Jesus ist die Mitte.

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    Zum Schluss noch dies ...

    Die bisher gesammelten Erlebnisse mit Jesus motivieren. Auch wenn ich mich in manchen Momenten überwinden musste. Im Rückblick muss ich sagen: Wow, ich hab dieses oder jenes getan...und eine Freude erfüllt mich. Die Erlebnisse lassen sich dann auch besser «verkaufen» in Zeugnissen. Ich kann andere motivieren, statt unter Druck setzen.

    Ich will etwas mit Gott erleben. Und das kann ich nur, wenn ich beide Seiten der Medaille bewusst lebe. Wie erlebst Du diese beiden Seiten?



Quellennachweis


  • Inhalt und Bild: Forum Kind Heft 2/02, Seiten 5 + 6.In einem Einsatz aktiv auf andere zuzugehen erfordert Überwindung. Im Leben eines Christen soll es eine gute Mitte zwischen Ruhe und Evangelisieren geben. © Copyrigth www.forum-kind.ch
  • Autor: Thomas Gasser

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