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Seelsorge nach einem evangelistischen Anlass

Zuletzt bearbeitet am 07. Oktober 2013
Seelsorge nach einem evangelistischen Anlass

Wir führen eine Evangelisation durch. Soeben rief der Evangelist zur Umkehr auf. Menschen bleiben sitzen (seat call) oder stehen auf und kommen nach vorne (altar call). Nun sollten seelsorgerliche Gespräche stattfinden. 


1. Vorbemerkung

In der Seelsorge geht es um den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit und dessen Beziehung zu Gott. Die Absicht dieses Konzepts ist nun aber nicht eine ausführliche Beschreibung des Seelsorgegesprächs, sondern in erster Linie folgende spezifische Situation:

Wir führen eine Evangelisation durch. Soeben rief der Evangelist zur Umkehr auf. Menschen bleiben sitzen (seat call) oder stehen auf und kommen nach vorne (altar call). Nun sollten seelsorgerliche Gespräche stattfinden.

Um diese Gespräche geht es in der folgenden Ausarbeitung. Was sind die Eigenschaften des Seelsorgers? Welche Botschaft sollte der Zuhörer verstanden haben? Wie wird er zur Entscheidung geführt?

Es ist wichtig, dass der Seelsorger die wichtigsten Elemente der Botschaft der Evangelisation kennt und sie noch einmal aufzeigen kann. Seelsorge ist ein wichtiger, wenn auch schwieriger Dienst. Darum sollte nicht jeder seelsorgerliche Gespräche führen. Im Folgenden soll darum die Bedingung zur Seelsorge (Person des Seelsorgers), die Botschaft und das Gespräch ausgeführt werden. 


2. Die Person des Seelsorgers

2.1. Einführung

Seelsorgerliche Gespräche zu führen ist nicht einfach, sondern sehr herausfordernd, oft sogar überfordernd. Aus diesem Grund ist wichtig, die Gespräche in ständiger Abhängigkeit von Gott zu führen.

2.2. Die Eigenschaften des Seelsorgers

Kompromisslose Beziehung mit Jesus

Nur der kann das Evangelium weitergeben, der es selbst auch verstanden hat und mit seinem ganzen Leben zum Ausdruck bringen will. Wer Menschen zu Jesus führen will, muss selber in einer Beziehung mit Jesus stehen und Sündenvergebung und die Stellung der Gotteskindschaft empfangen haben. Kurz: Ein Seelsorger muss bekehrt und wiedergeboren sein. Jeder bekehrte und wiedergeborene Mensch lebt mit dem Ziel und Wunsch, Menschen zu Jesus Christus zu führen. Jesus selbst gab uns den Auftrag, das Evangelium allen Menschen zu verkündigen (vgl. Mk 16,15). Um diesem Auftrag nachkommen zu können, müssen wir erst selbst in einer innigen Beziehung mit Gott leben. Wie können wir unsere Mitmenschen von ihrer Sündhaftigkeit überführen, wenn sie in uns auch einen (womöglich grösseren) Sünder sehen? Wie will ich meinem Nächsten glaubhaft machen, dass Gott uns von jeglicher Sucht befreien kann, wenn ich selbst rauche, übermässig Alkohol konsumiere oder regelmässig lästere? Jesus vergleicht diese Menschen mit blinden Blindenführern (vgl. Mt 15,14). Bedingung, um andere Menschen zu Jesus zu führen, ist also, selbst keine Sünden im eigenen Leben zu tolerieren. Darum zu Beginn die Frage: Wie sieht deine Beziehung mit Jesus heute aus? 

Ich kann deine Worte nicht hören, deine Taten sprechen so laut!

Charakterzüge des Seelsorgers

Überlege dir, wem du dich anvertrauen würdest, wenn du ein akutes, dich bedrängendes Problem hättest. Wie müsste diese Person sein? Es scheint klar, dass diese Person verschwiegen und einfühlsam sein müsste. Wir wenden uns an Menschen, denen wir vertrauen und die sich Zeit für uns nehmen. Solche Personen sind gute Zuhörer. Der Seelsorger zeichnet sich durch Verschwiegenheit, Einfühlungsvermögen und echte Annahme aus. Diese Eigenschaften können nur durch eine kompromisslose Beziehung mit Jesus entstehen, da alleine Gott wahre Liebe schenken kann, die Bedingung für die ebengenannten Eigenschaften ist. 

Wenn wir einen Menschen zu Jesus führen wollen, sollten wir beachten, dass wir ...

  • nicht heucheln! Wie wollen wir jemanden zu Jesus führen, wenn unsere Beziehung zu Gott nicht in Ordnung ist? Wenn unsere innere Herzenshaltung nicht von der Liebe Gottes geprägt ist, sollten wir uns (noch) nicht mit Seelsorge versuchen! Prüfe dich auch immer wieder in Bezug auf Schwächen/Sünden. Sätze wie „Solche Sünden würden mir nie passieren!“ zeigen Überheblichkeit. Wer so denkt, ist ebenfalls (noch) nicht für die Seelsorge geschickt. Wir sind alle (noch) nicht perfekte Menschen. Auch wir können fallen. Uns kann jede Sünde genau so passieren.
  • mit den richtigen Motiven Seelsorge machen. Es darf kein Profilieren sein. Durch Seelsorge kann man weder Ansehen noch Anerkennung gewinnen. Es ist ein stiller, verschwiegener Dienst.
  • einen Menschen wirklich an Hand der Bibel zum Glauben führen und nicht mit unserer Überredungskunst oder durch die Art und Weise, wie wir beispielsweise einen Gottesdienst oder eine Andacht gestalten. Wenn Menschen die Verkündigung des Evangeliums hören, kann Gott Glauben bewirken (Röm 10,17). Darum ist die Bibel Grundlage aller Evangelisation. Jeder Evangelist und Seelsorger braucht daher Bibelkenntnis, die alleine durch das beständige Lesen der Bibel wachsen kann.
  • niemanden zum Glauben führen können. Nur Gott kann Menschen retten. Aus diesem Grund muss das Gebet im Zentrum stehen.

Ein Seelsorger sollte sich kennen, lieben und eine kompromisslose Beziehung mit Jesus leben. Ein Seelsorger sollte alle diese Fragen mit „Ja“ beantworten können:

Kennst du deine Stärken und Schwächen? Kannst du dich annehmen, lieben und gut mit dir umgehen? Hast du eine tiefe Beziehung zu Gott, die du täglich pflegst? Bist du gewohnt zu beten und Fürbitte zu tun? Bist du dir deiner Erlösung sicher? Ist Gott dein Ratgeber? Gehörst du verbindlich einer Gemeinde an?


3. Die Botschaft der evangelistischen Verkündigung

3.1. Das Evangelium

Wie auch immer die Evangelisation im Detail aussieht, die Botschaft sollte zumindest die grundsätzlichsten der hier aufgeführten Hauptgedanken enthalten. Gewiss muss nicht immer alles gesagt werden. Es sollte aber darauf geachtet werden, der inhaltlichen Mitte der Bibel (Erlösungstat Christi am Kreuz) auch den Mittelpunkt der evangelistischen Verkündigung zu geben.

Nachdem Gott am sechsten Tag der Schöpfung den Menschen nach seinem Ebenbild (vgl. 1Mo 1,27) geschaffen hatte, bezeichnete er die Schöpfung als „sehr gut“ (vgl. 1Mo 1,31; Ps 139,13ff). Zugleich gab er dem Menschen ein Gebot (1Mo 2,16b–17): „Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.“ Die ersten Menschen konnten dieses eine Gebot nicht halten und wendeten sich dadurch von Gott ab. Die Konsequenz für ihr Handeln war bekannt. Der Tod kam in die Welt und damit gleichsam Elend, Schmerz und Leid.

Alle Menschen sind Sünder (vgl. Pred 7,20; Ps 53; Röm 3). Diese Sündhaftigkeit zeigt sich beispielsweise im Übertreten der 10 Gebote (vgl. 2Mo 20). Weil nun alle Menschen gesündigt haben, sind alle Menschen vor dem heiligen Gott schuldig geworden und können vor ihm nicht bestehen (vgl. Röm 3,23). Da aber Gott die Menschen so sehr liebt, wollte er sie nicht in diesem sündigen, von ihm getrennten Zustand lassen und sandte seinen Sohn, Jesus Christus, in die Welt. Alle, die an ihn glauben, werden nun nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben (vgl. Joh 3,16). Jesus konnte stellvertretend für alle Menschen sterben, da er Gottes Sohn ist und selbst nie sündigte. Er liess sich Hände und Füsse durchbohren, auf seinen Mund schlagen, die Augen verbinden und eine Dornenkrone aufsetzen, obwohl er mit Händen, Füssen, Mund, Augen und Kopf nie gesündigt hatte (vgl. Phil 2,6–8, 2Kor 5,21). Jeder Mensch erhält so die Möglichkeit, seine Sünden, die er mit seinen Händen, Füssen, Mund, Augen und Kopf getan hat, im Gebet zu bekennen (vgl. 1Joh 1,9). Denn Jesu Blut reinigt ihn (vgl. Eph 1,7; 1Joh 1,7). Reinheit ist nötig, um überhaupt mit Gott in Kontakt treten zu können (vgl. 3Mo 20,26). Aus eigener Anstrengung wird der Mensch nie zu Gott kommen können (vgl. Eph 2,8). Im Glauben dürfen wir Jesus annehmen und erhalten so die Stellung der Gotteskindschaft (vgl. Joh 1,12). Die Annahme dieser beiden Geschenke (Sündenvergebung, Stellung der Gotteskindschaft) ist nötig, um jetzt und auch in der zukünftigen Welt in der Gemeinschaft mit Gott zu leben. 

Von jedem Menschen, der das Evangelium hört, erwartet Gott eine Reaktion. Wie jedes Geschenk können auch diese beiden Geschenke angenommen oder abgelehnt werden. Annahme oder Ablehnung entscheiden über das diesseitige und das jenseitige Leben: Himmel oder Hölle.

Mit der Bekehrung (Annahme der Geschenke) wird dem Umkehrenden aber weit mehr als nur Sündenvergebung und das Ewige Leben geschenkt. 2Kor 5,17: Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Ebenso werden wir versiegelt mit dem Heiligen Geist, wodurch uns alles Nötige geschenkt wird (vgl. Eph 1,13).

Wenn wir diese beiden Geschenke angenommen haben, ist wichtig, dass wir die neu gewonnene Beziehung mit Gott auch pflegen. Dies geschieht durch das Gebet (vgl. Röm 12,12), Gottes Wort (Jos 1,8) und die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen (vgl. Apg 2,42). Wenn wir bereit sind, zu tun, was Gott uns sagt, werden wir ihn auch zu uns sprechen hören. Wir hören Gott nämlich immer dann, wenn wir bereit sind, zu tun, was er uns sagt (Gehorsam, vgl. Joh 14,21). Daher ist eine kompromisslose Beziehung (= keine Sünde tolerieren) mit Jesus entscheidend. (Siehe 4 G’s in 5. Notportion.)

3.2. Wie man eine Beziehung mit Gott starten kann

Der Evangelist wird, nachdem er den Heilsweg ausgeführt hat, aufzeigen, wie man eine Beziehung mit Gott starten kann. (Diese Ausführungen können auch gleichzeitig zur Ausführung des Heilsweges gemacht werden.) Dies kann mit folgenden Illustrationen geschehen.


1. Kreis: Sündenbekenntnis


2. Kreis: rein sein


3. Kreis: Jesus ins Leben aufnehmen


4. Kreis


4. Das seelsorgerliche Gespräch

Nach dem Aufruf des Evangelisten finden die Gespräche statt. Da die Manipulation möglichst gering und die Willensfreiheit möglichst hoch zu halten ist, empfiehlt es sich, keinen Aufruf durch Handheben durchzuführen. Grundsätzlich ist gegen einen Aufruf ohne persönliches Gespräch einzuwenden, dass Altarrufe falsche Heilsgewissheit vortäuschen können. Den suchenden Personen wird kollektiv bestätigt, dass eine Bekehrung stattgefunden hat, ohne die Bedingung der Busse und des Glaubens zu hinterfragen und zu überprüfen. Dadurch können sich viele für bekehrt halten, obwohl es in ihrem Leben keine Anzeichen dafür gibt. Bewährt hat sich ein Aufruf mit persönlichem Gespräch. Diese Methode kann unterschiedlich gestaltet werden:

  • Die interessierten Zuhörer bleiben auf ihren Stühlen sitzen, während die anderen den Ort verlassen. Die Seelsorger gehen dann auf die zurückgebliebenen Kinder zu oder werden vom Evangelisten zugewiesen.
  • Die interessierten Zuhörer werden aufgefordert, nach dem Anlass einen Nebenraum aufzusuchen, wo das Seelsorgeteam bereitsteht.
  • Den Zuhörern wird zu einem späteren Zeitpunkt die Möglichkeit gegeben, sich nochmals am selben Ort zu treffen.
  • Die interessierten Zuhörer können auf einem Zettel ein Gespräch anmelden und diesen am Eingang abgeben. Auf dem Zettel kann zum Beispiel auch vermerkt werden, warum ein Gespräch / Gebet gewünscht wird.

Welche Methode auch gewählt wird: Es sollte klar sein, wer ein Gespräch wünscht. Diese Gespräche finden, wenn möglich, gleichgeschlechtlich unter vier Augen statt. Seelsorge sollte nie mit mehr als einer Person durchgeführt werden, da jeder Zuhörer mit eigenen Worten formulieren sollte, was er nun möchte. Beim Gespräch sollte der Seelsorger auf jeden Fall eine Bibel und Schreibmaterial/Notizblock dabei haben.

Folgender Ablauf des Gesprächs hat sich bewährt:

4.1. Gebet (Dank)

Am besten beginnen wir das Seelsorgegespräch mit einem (kurzen) Gebet. Darin danken wir für den Mut und dass das Gespräch stattfinden darf. Wir bitten Gott um Weisheit und Bereitschaft, das Gesprochene auch in die Tat umzusetzen.

4.2. Weshalb kommt die Person? Welchen Schritt möchte die Person tun?

Grundsätzlich können die Gespräche in drei Kategorien gegliedert werden:

a) Bekehrungsgespräch
b) Neuanfangsgespräch
c) Seelsorgerliches Gespräch

Daher ist wichtig, dass wir die Person fragen, warum sie in die Seelsorge kommt und was sie nun erwartet. Sie sollte selber den Wunsch äussern, dass sie sich a) bekehren oder b) einen Neuanfang machen möchte. Um dies herauszufinden, sollten wir während unseres Gesprächs Fragen, die mit Jaoder Neinbeantwortet werden können, nicht stellen, da solche Fragen (= Suggestivfragen) die Antwort des Befragten beeinflussen. Es ist nämlich auch möglich, dass eine Person sitzen geblieben ist, weil noch viele Fragen zur Botschaft oder überhaupt nicht richtig verstanden hat, worum es überhaupt geht. In beiden Fällen sollten wir die folgenden unter a) genannten 3 Schritte noch einmal wiederholen, die Person dann aber freundlich verabschieden, z.B. mit einem passenden Bibelvers, über welchen sie nachdenken soll. Manchmal kommt eine Person aber auch einfach in die Seelsorge, weil sie ein bestimmtes Problem hat und darum c) ein seelsorgerliches Gespräch wünscht.

a) Bekehrungsgespräch:
Falls sich die Person bekehren möchte, empfiehlt es sich, noch einmal kurz diese beiden Punkte zu erklären.

1. Wir versuchen der Person noch einmal aufzuzeigen, wie sündig sie ist und dass wir auf dieser Erde nicht mehr in paradiesischen Zuständen leben. Dies kann am Beispiel der 10 Gebote geschehen, doch meistens deckt der Heilige Geist die Sünden auf, so dass die betroffene Person sehr wohl weiss, welche Sünden sie betreffen.

Es ist sehr wichtig, dass wir unserem Mitmenschen, den wir zu Jesus führen möchten, die Sündhaftigkeit vor Augen malen. Oft tun wir uns schwer damit, weil wir befürchten, dass dies arrogant oder frech sein könnte. Natürlich muss diese Botschaft mit der richtigen Herzenshaltung (vgl. Mt 22,39) verkündet werden, aber auf keinen Fall dürfen wir die Ernsthaftigkeit der Sünde verschweigen. Wer jedoch die Folgen der Sündhaftigkeit (Trennung zwischen Gott und Mensch) nicht erkennt (Sündenerkenntnis), fragt sich, warum Jesus am Kreuz sterben musste. 

2. Nun dürfen wir den Ausweg aus dieser Sündhaftigkeit aufzeigen.

Wichtig ist, dass unsere Erklärungen zur Entscheidung führen. Allein davon zu wissen, bringt nichts! Nur der Glaube an Jesus Christus führt in die Beziehung mit Gott. Diesen Glauben können wir aber nicht machen. Wir können ihn nur bezeugen. Auch wir konnten gar nichts beitragen, dass wir diesen Glauben finden durften. Es ist ein Gnadengeschenk. Niemals dürfen wir einen Mitmenschen zum Glauben zwingen. Entscheidet sich jemand dagegen, müssen wir diesen Entscheid respektieren und die Person weiterlieben wie eh und je (vgl. Mt 5,44). Will sich aber jemand dafür entscheiden, so kann eine grosse Hilfe sein, nochmal anhand der visuellen Darstellung zu zeigen, wie der persönliche Kontakt mit Gott gestartet wird. Dabei ist zu beachten, dass ein gründliches Sündenbekenntnis (vgl. 1. Kreis) eine Hilfe für die Heilsgewissheit ist. Am Schluss kann dann noch für diejenigen Sünden um Vergebung gebetet werden, an die man sich nicht mehr erinnert (vgl. Ps 19,13). Die Person betet also um Vergebung für die Sünden und nennt sie alle beim Namen. Ein mögliches Gebet lautet: Herr Jesus, ich glaube, dass du für meine Sünden am Kreuz von Golgatha gestorben bist und deshalb bitte ich dich, vergib mir, dass ich ... habe und ungehorsam, neidisch, stolz war, ... [gründliches Sündenbekenntnis!]. Herr Jesus, vergib mir auch die Sünden, die mir jetzt nicht in den Sinn kommen. Amen.

Wenn die Person dieses Gebet gesprochen hat, dürfen wir ihr im Namen Gottes Sündenvergebung zusprechen (vgl. Mt 18,18). Wir erklären ihr, dass sie jetzt vor Gott rein ist (vgl. 2. Kreis). Wichtig ist aber, auf keinen Fall hier stehen zu bleiben. Denn Gott hat mit unserem Leben einen Plan. Dieser Plan kommt erst zur Entfaltung, wenn ich Jesus in meinem Leben Herr sein lasse. Nun folgt die Bekehrung (vgl. 3. Kreis). Unsere Person bittet, dass Jesus in ihr Leben komme. Dadurch wird sie von neuem geboren (vgl. Joh 3) und ist ein Kind Gottes (vgl. Joh 1,12). Mögliches Gebet: „Herr Jesus, ich danke dir, dass du mich durch dein vergossenes Blut am Kreuz von Golgatha rein gewaschen hast von allen Sünden. Bitte, komme du jetzt in mein Leben und bestimme du, was mir wichtig sein soll. Amen.“

Durften wir erleben, wie sich ein Mensch für Jesus entscheidet, dürfen wir unsere Freude zeigen (vgl. Luk 15,10), und geben die Zusage, dass seine Sünden nun vergeben sind (1.Joh 1,9) und er ein Kind Gottes ist (vgl. Joh 1,12). Diese Zusage können wir beispielsweise durch eine Urkunde, eine Entscheidungskarte oder ein anderes Andenken unterstützen.

Anschliessend weisen wir darauf hin, dass wir als Kinder Gottes mit Jesus, unserem Retter, Gemeinschaft pflegen. Dies geschieht durch das tägliche Gebet und Bibel lesen. Zugleich brauchen wir Gemeinschaft mit Menschen, die ebenfalls Jesus als Retter angenommen haben. Dieser Austausch ist für uns sehr bedeutsam, da wir uns gegenseitig zur Ergänzung brauchen.

b) Neuanfangsgespräch:

Womöglich hat sich die Person schon für ein Leben mit Jesus entschieden und möchte eine geheim gehaltene Sünde in Ordnung bringen. In diesem Fall wird der Bereich genannt und anschliessend im Gebet um Vergebung gebetet. Ein mögliches Gebet dazu könnte so lauten: „Herr Jesus, danke, dass ich dich kennen darf, es tut mir leid, dass ich versucht habe, vor dir eine Sünde geheim zu halten, obwohl ich doch weiss, dass du mich durch und durch kennst. Bitte vergib mir, dass ich ... [Lebensbereich bereinigen] und hilf mir, in Zukunft ohne Kompromisse mit dir zu leben. Amen.“

c) Seelsorgerliches Gespräch:

Im Rahmen dieser Ausarbeitung kann darauf nicht adäquat eingegangen werden. Doch besteht die Aufgabe des Seelsorgers in solchen Gesprächen häufig darin, dem Zuhörer in Liebe zuzuhören und ihm aufzuzeigen, dass alles, was Jesus in seinem Leben zulässt, letztlich zu etwas Positivem dienen kann, nämlich dass er immer mehr ins Bild Jesu umgestaltet wird. Aus diesem Grund soll der Hilfesuchende die ihm auferlegten Leiden und Umstände bejahen und aus der Hand Gottes annehmen lernen. Bei notvollen Situationen im Leben von Ratsuchenden, die durch andere Menschen mitverursacht worden sind, soll er denen vergeben, die an ihm schuldig geworden sind, wobei das Vorgefallene nicht gerechtfertigt wird.

Letztendlich können wir hilfesuchenden Menschen nie helfen. Wirkliche Hilfe ist alleine bei Gott zu finden. Darum ist das Gebet für die Person und ihr Problem von entscheidender Bedeutung.

4.3. Gebet

Nachdem die Person gebetet hat, beten wir für sie. 

4.4. Wie weiter?

Wie geht es nach dem Gespräch weiter? Wie kann die Nachbetreuung gewährleistet werden? Ist die Person in eine Gemeinde eingebettet? Menschen zu Jesus zu führen ist vergleichbar mit einem Geburtshelfer. Als Geburtshelfer trägt der Seelsorger nun auch eine gewisse Verantwortung für das neue Leben. Nach einem seelsorgerlichen Gespräch sollte jeder eine Ansprechperson haben. In jedem Fall ist die Einbettung in eine Gemeinde wichtig. Falls wir als Seelsorger aus irgendeinem Grund nicht Ansprechperson sein können (geographische Distanz, näher stehende Personen, ...), sollten wir die Person weiterleiten.

Wichtig ist weiter, dass wir in Zukunft für die Person beten. Dies sollten wir ihr auch versprechen.


5. Notportion


6. Literatur

  • Handbuch Jugendseelsorge (J. McDowell / B. Hostettler)

  • Kinder- und Jugendevangelisation (BESJ: Eric Sollberger, Adrian Jaggi)

  • Seelsorge auf biblischer Grundlager (A. Mauerhofer)

  • Wagnis Kinderevangelisation (P. Gibbs) 


7. Autor

Matthias Kradolfer

Pfarrer FEG Aarau, Hauptleiter von neujahrslager.ch und solapradella.ch 


Quellennachweis

Titelbild: Juropa, Camp in Ungarn, 2013


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