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Religionspädagogik

Zuletzt bearbeitet am 10. Februar 2015
Religionspädagogik

Kinder entwickeln sich nicht nur äusserlich, auch ihr Glaube verändert sich mit dem Alter. Darüber müssen Jungscharleiter Kenntnis haben und ihre Botschaften entsprechend gestalten.


Zeit der Gnade (0-7/9 Jahre)


Gnade erfahren

  • Die Botschaft der Gnade gefühlsmässig  aufnehmen – als Vorrat für später
  • Mit allen Sinnen Güte und Geborgenheit erfahren
  • Gott durch das Handeln ins Leben der Kinder übersetzen
  • Feste Gewohnheiten und Rituale helfen dem Kind den Sinn des Glaubens zu verstehen, bevor es die Inhalte versteht.

Sprachfähig werden

  • Begriffe wie „Glaube“ und „Vertrauen“ werden durch Geschichten gefüllt
  • Liedtexte halten den Lebenserfahrungen stand und prägen uns.  Gute Liedtexte wählen!
  • „Auf wen ich höre, zu dem gehöre ich.“

Biblische Inhalte aufnehmen

  • Abhängig von der Anschauung: „Kein Eindruck ohne Ausdruck“
  • Geschichten und Erzähler versichten sich zu inneren Bildern, die ins Unterbewusste hinabsinken und von dort her wirken
  • Busse und Umkehr sind erst für Jugendliche und Erwachsene greifbar!
  • Wundererzählungen bereiten noch keine Mühe. Den Eltern stehen ja auch mehr Möglichkeiten zur Verfügung, als das Kind sich vorstellen kann.
  • Das Kind identifiziert sich mit Helden und Vorbildern, Gerechtigkeitssinn
  • Das Kind in moralisch-ethischen Entscheidungen nicht überfordern

>Inhalte bis ca. 8 Jahre:

  • Geschichten mit der Botschaft von Gottes Güte: DU bist gewollt
  • Geschichten, die Gott und Jesus als Handelnde und Erschaffende zeigen
  • Geschichten von Jesus, der Gottes Liebe zu den Menschen verkündet
  • Geschichten, die den Sinn der grossen Fest deuten
  • Erzählungen von Wundern, die Gottes Allmacht oder Jesu Vollmacht darstellen      (nicht nur Wundergeschichten erzählen)
  • Erzählungen, die Folgen von menschlichem Verhalten im Guten und Bösen aufzeigen
  • AT: Urgeschichten (Schöpfung), Vätergeschichten (Abraham), Josefgeschichte
  • NT: Weihnachtsgeschichte, Kindheit Jesu
  • Themenkreise: gesund und krank (Bartimäus), Freude und Angst (Seesturm), Feste feiern (Hochzeit und Taufe), Arbeiter aus den Ausland (Ruth)

> Mehr mit Jesus über das Kind reden, als mit den Kind über Jesus


Schuld und Vergebung

  • „Sich entschuldigen“
    • als gesellschaftliche Regel ist das sinnvoll
    • für seine Reaktionen ist allerdings fraglich
  • „Das habe ich gemacht.“ Schuld eingestehen
  • Ich darf Fehler machen, ohne Liebesverlust in Kauf nehmen zu müssen

Gottesbild

  • Muss das Kind sich bei Gott beliebt machen?
  • Sind Erzieher/Leiter sich ihres eigenen Gottesbildes bewusst?
  • Nur sorgfältig überprüftes Gottesverständnis weitervermitteln.

Zeit des Gesetzes (7/9-11/13)


Realistische, wirkliche Ereignisse nachvollziehen

  • In der Realitätsperiode interessiert sich das Kind für handlungsstarke Ereignisse „Action“
  • Gerechtigkeitsideal, Bestrafung des Bösewichts
  • Geschichtlich – geographische Zusammenhänge, Wettbewerbe, Ordnungssinn, Sammelwut und Ritualisierung von Handlungsabläufen
  • Im Gegensatz zu den Phasen vor und nach der Latenzzeit: Körperlich-kognitive statt körperlich-emotionale Antriebskraft
  • Recht, Willenkraft, die gute Tat – weil es „recht“ ist und nicht aus Barmherzigkeit
  • Geschichte als Zeitstrahl wird verstanden

Unterrichtsstoff und biblische Inhalte

  • Bibelkunde vor allem im Alter von 10-12 Jahren!
  • AT: Exodus, 10 Gebote, Bundesschliessung, Landnahme, Richterzeit, Samuel bis Saul, David – Jonatan, Israels Glanz und Niedergang, Elis – Elisa, Jeremia, Bab. Gefangenschaft
  • NT: Johannes der Täufer, Jesus und die Gesetzeslehrer, Passionsgeschichte und Apostelgeschichte (ab 11 Jahren), Handlungsstarke Gleichnisse, allgemein zusammenhängende Texte
  • Gott als Bundespartner, Glaubenslehre (Katechismus), weil Verhaltenskodex und Spielregeln zum Alter gehören
  • Wunder sind ab ca. 11 Jahren nicht mehr so einfach  zugänglich

Charakterbildung

  • Echtes Schuldgefühl: Gewissensbildung
  • Kinder beobachten scharf, wie genau es Erwachsene mit der Wahrheit nehmen
  • Zweifel am Kinderglauben ernst nehmen
  • Ordnungssinn wird ausgebildet; Lektionen mit festem Rahmen, disziplinarische Abmachungen einhalten
  • Wir schulden dem Kind Zielstrebigkeit in Erziehung, Jugendprogramm und Unterricht
  • Auswendiglernen, Stellen aufschlagen, Psalmen lernen: Biblisches Wissen als Grundlage
  • Theater, Erlebnisprogramm, Lager, …
  • Einfühlen in andere wird möglich

Zeit des Evangeliums (11/13-16+)


Charakterliche Entwicklung

  • Auch „Unreligiöse Jugendliche“ machen sich Gedanken über ihre eigene Existenz
    • nicht vorschnelle Antworten geben
  • Jugendliche brauchen Zeiten des Alleinseins und Zeiten der Gemeinschaft
  • Die Gesprächsatmosphäre vor der Pubertät ist die Grundlage für das Gespräch während der Pubertät

Religiöse und biblische Thematik

  • Die Gefühlsebene gilt als Schlüssel zu Glaubensfragen – aber vorerst, ohne von sich selbst reden zu müssen (Geschichten von anderen Personen erzählen)
  • Das Leben der Jugendlichen selbst bestimmt die Unterrichtsinhalte stärker als die biblischen Geschichten
  • Biblische Gestalten als radikale Typen: Johannes der Täufer, Jeremia, Hiob, Petrus, …
  • Erschliessung von Wundergeschichten auf der Symbol- und Erlebnisebene
  • Jugendliteratur und Biografien, Erlebnisberichte von Christen, von Ex-Drögelern, Behinderten, Missionaren, …
  • Bildmeditationen, Filme, Musik
  • Greifbare Vorbilder helfen bei der Persönlichkeitsbildung, Vorbilder zum Ablehnen und Annehmen
  • Jugendliche in die Verantwortung miteinbeziehen
  • Klare Abmachungen, Humor mit klarer Linie verbinden
  • Atmosphäre schaffen, den Raum gestalten

Theologische Aussagen

  • Gottebenbildlichkeit, Schuld und Vergebung, Hoffnung und Nachfolge als zentrale Grundmotive, welche von verschiedenen Themen der entfaltet werden können.
  • Echte Auseinandersetzung mit den Zweifeln der Jugendlichen. Wer als Zweifler ernst genommen wird, nimmt andere als Glaubende ernst.
  • Modelle gemeinsamen Lebens hautnah beschnuppern, ansatzweise miterleben. Sinnfrage vom Gedanken des Gemeinsamen und der Beziehung der entwickeln.
  • Verbindliche Gemeinschaftsformen (auch in der Partnerschaft) als mögliche Lebensziele erarbeiten. (Ausgehend von Gedanken der Bundesrheologie)

Quellennachweis

  • Titelbild: Juropaarchiv, www.juropa.net
  • Inhalt und Literatur: Felix Studer, Theologisch-Diakonisches Seminar Aarau, 2004 (Kursunterlagen) aufbauend auf: Bridger, Francis: Wie Kinder glauben, (Oncken, Wuppertal und Kassel und Bibellesebund Winterthur, 1990) sowie auf Rinderknecht Hans Jakob und Zeller Konrad: Methodik christlicher Unterweisung (Zwingli Verlag Zürich/Stuttgart 1968);

Die Autoren: kurtmühlematter, Ramba
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