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"Neue Formen"

Zuletzt bearbeitet am 09. Dezember 2013
"Neue Formen"

Sind unsere Angebote noch kundenorientiert? Entsprechen sie noch den Bedürfnissen unserer Zeit? Dies sind Fragen, welche wir uns immer wieder stellen müssen, wenn wir nicht den Stellenwert und damit die Kinder in unserer Gesellschaft verlieren wollen.


Einleitung

Ein Schlagwort welches (in diesem Zusammenhang) immer wieder auftaucht heisst: "Neue Formen". So werden aufblühende Arbeiten aus der ganzen Welt gesucht, analysiert und kopiert. Nicht selten stellt sich aber nach der anfänglichen Begeisterung über die "neue Form" Enttäuschung ein, weil sie nicht auf die örtliche Situation angepasst wurde und der Erfolg ausbleibt. Zudem wird oft nur kopiert und nicht kapiert. In der Regel liegt nämlich der Erfolg solcher "neuer Formen" nicht in einer strukturellen Umsetzung, sondern an der Herzenshaltung der Leiter.

Folgend werden deshalb nicht "neue Formen" vorgestellt, sondern ein Modell, mit welchem jeder Leiter selber die passende Methode für seine Arbeit herausfinden kann.



Gebet

Wenn wir unsere Kinder- und Jugendarbeit wirklich für Gott machen, dann sollten wir auch ihn um Weisheit und Führung bitten. Denn wer weiss besser, was unsere Kids und Teens brauchen als unser Vater im Himmel? Wenn wir versuchen, unsere Probleme selber zu lösen, sind wir wie die Pharisäer zu denen Jesus sagt: 

"Lasst sie reden! Sie wollen Blinde führen und sind selber blind. Wenn ein Blinder den anderen führt, fallen beide in die Grube."      Matthäus 15,14

Sei dir also bei jedem Schritt bewusst, dass das Gebet im Zentrum steht. All die folgenden Punkte erfüllen ihren Zweck nur dann, wenn sie auf Jesus, dem Fundament, ruhen - auf dass wir nicht in die Grube fallen.


1. Situationsanalyse

In der Regel sucht man erst nach "neuen Formen", wenn die "Alten" nicht mehr funktionieren. Dies ist grundsätzlich zu spät.

Jede Methode durchläuft eine S-Kurfe.

A = Sie wird gestartet.
B = Nach einigen Anlaufschwierigkeiten...
C = ...führt sie (hoffentlich) zum gewünschten Erfolg
D = Nach einiger Zeit erreicht die Methode ihren maximale Wirkungsgrad
E = Wenn die Methode stur weitergeführt wird, verliert sie mit der Zeit ihre Wirkung.



Wenn wir also erst am Punkte E nach "neuen Formen" suchen, haben wir bereits wieder Energie verloren. Spätestens bei Punkt C soll überlegt werden, ob die "neue Form" noch bedürfnisorientiert ist, damit man bei Punkt D mit der nächsten Methode starten kann. 

Es geht also darum, uns frühzeitig ein Bild über die vorherrschende Situation zu machen. Diese Resultate sind später die Grundlage für das Entwerfen einer "neuen Form". Es ist deshalb wichtig, dass die Situationsanalyse möglichst genau gemacht wird.

Unter Situationsanalyse verstehen wir die systematische Abklärung der momentanen Lage hinsichtlich aller Komponenten, die diese bestimmen. Es geht also darum, die bestehende Situation aus allen Sichtweisen zu betrachten und so zu formulieren, dass sie auch für Aussenstehende möglichst objektiv verstanden werden kann. Besonders wichtig ist dabei, dass es sich bei der Analyse nicht nur um deine Ansicht handelt, sondern dass auch die andern Betroffenen (Kinder, Jugendliche, Eltern, Gemeinde...) um ihre Meinung gefragt werden. Ihre Bedürfnisse und Ängste müssen bekannt sein. Ihre Wünsche und nicht deine stehen im Mittelpunkt. Oder um es mit einem Bild zu sagen: "Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Fischer!"

Um dies zu erreichen stehen uns verschiedene Möglichkeiten zu Verfügung:

=> Beobachtungen, Interviewtechniken, Ressourcenanalyse, Visualisierung, Dokumentenanalyse...


Die Situationsanalyse ist nicht nur zu Beginn wichtig, sondern muss auch während des Prozesses wiederholt werden. Nur so können wir entscheiden, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind.


2. Zielsetzung

Jetzt, da wir unsere momentane Situation kennen, müssen wir uns über das Ziel einig werden, welches wir erreichen wollen. Wir können nur dann wirkungsvoll handeln, wenn wir auch wissen, wohin uns unser tun führen soll.

Ziele sollen so konkret und direkt formuliert werden, wie es nur geht. Offene Ziele wie zum Beispiel: "Wir wollen mehr Kinder erreichen!" helfen kaum, die Richtung für den Prozess anzugeben. Hier stellen sich die Fragen: "Bis zu welchem Zeitpunkt wollen wir mehr Kinder erreichen? Wie viele Kinder wollen wir mehr erreichen? Welche Zielgruppe wollen wir erreichen? Was machen wir mit den Kindern?"

Gemäss der obenstehenden Zielformulierung hätte man das Ziel erreicht, wenn nach fünf Jahren der Predigersohn auch in die Gruppe kommt und diese nun um ein Kind gewachsen ist. Dies kann es ja wohl nicht sein!

Die Zielformulierung soll Richtschnur für unser Handeln sein und uns helfen, das erarbeitete Resultat zu überprüfen. Deshalb ist es auch sinnvoll verschiedene Teilziele vor dem Projektziel zu setzen, so dass schon während dem Prozess die Entwicklung überprüft werden kann.


3. Alternativen

Nachdem wir den Ist- und den Sollzustand unserer Situation erörtert haben, geht es nun darum geeignete Methoden und Instrumente zu entwerfen, um das Ziel zu erreichen. In dieser Phase ist es wichtig, dass der kreative Denkprozess nicht behindert wird. Jeder Traum, jede Idee ist erlaubt und sei sie noch so ausgefallen oder unrealistisch. Wörter wie "aber, nein, unmöglich, unrealistisch, nicht..." sind in diesem Schritt absolut verboten.

Reserviere dir für diesen Schritt mindestens zwei ganze Abende, an denen du ungestört träumen kannst. Je mehr Leute ihr seid, desto besser! Diese Zeit ist keinenfalls vergeudet, sondern hilft dir, neue, unkonventionelle Wege zu finden. Vergiss aber nicht, alle Ideen aufzuschreiben. Arbeite dabei grossflächig und farbenfroh! Einige Methoden welche du dazu verwenden kannst:

=> Mind-Map, Brainstorming, Brainwriting, Zukunftswerkstatt...

Wichtig: Versuche auf keinen Fall noch am selben Abend eine Entscheidung zu finden!


4. Entscheidung

Jetzt solltest du eine Fülle von verschiedenen Ideen vor dir haben. Einige sind auf den ersten Blick absolut unrealistisch, andere wiederum "stinknormal". Nun geht es darum, anhand von verschiedenen Kriterien den "besten" Weg herauszufinden. Dazu müssen alle auftretenden Wirkungen einer Methode erfasst und analysiert werden. Folgende Fragen können dir dabei helfen:

  • "Welche Wirkungen sind mit dieser Methode zu erwarten?"
  • "Sind diese Wirkungen erwünscht und dienen sie dem Reich Gottes?"
  • "Welche Nebenwirkungen könnten auftreten?"
  • "Sind die Nebenwirkungen akzeptabel?"

 

Stelle diese vier Fragen bei jedem Vorschlag aus Punkt 3 und beginne so grob zu sondieren. Schlussendlich kannst du mittels festgelegten Kriterien eine Rangliste der Methode erstellen. Mögliche Entscheidungskriterien können sein:

=> Kosten/Nutzen (Aufwand/Ertrag), Dauer, Adressatengerechtheit, Erfahrungen mit Methoden, Kreativität...


Auch hier ist Wichtig, dass ihr nun nicht direkt mit der konkreten Umsetzung beginnt. Nehmt euch nach diesem Punkt einige Tage Zeit, um den Entscheid vor Gott zu prüfen. Spätestens ab diesem Punkt verfallen nämlich viele der Versuchung, den zentralen Punkt Gebet zu vernachlässigen und das Projekt aus eigener Kraft anzugehen. Dies wäre aber nicht nur unklug sondern geradezu fahrlässig.

Bringt also euer Projekt vor Gott und sammelt nach einigen Tagen eure Antworten, Gedanken, Bilder, Eindrücke... welche ihr von Gott erhalten habt. Erst jetzt kann ein Entscheid gefällt werden.


5. Planung, Strategie

Da nun der Entscheid auf eine bestimmte "Form" gefallen ist, geht es darum, einen genauen Plan zu erstellen, wie wir das formulierte Ziel Schritt für Schritt erreichen wollen. Wir entwickeln also einen Plan, indem wir uns die einzelnen Handlungsschritte, deren Reihenfolge und Ausführung vorstellen und niederschreiben. Mögliche Hilfsmittel dazu sind:

=> Zeitplan, Ablaufplan, Ressourcenanalyse, Arbeitsplan, Checklisten...


Oft zeigt sich bei der konkreten Planung, dass die Situationsanalyse nicht vollständig gemacht wurde und noch weitere Informationen zur Umsetzung der Methode nötig sind. Da nie alle Teile eines Prozesses voraussehbar sind, muss der Plan und die Handlungsschritte permanent anhand der Zielformulierung überprüft und angepasst werden. 


6. Durchführung

In dieser Phase geht es nun darum, mit den in der Planung festgelegten Aktivitäten das Projektziel zu erreichen. Deine "neue Form" hat ihre Geburtsstunde!

Während der Durchführung sind die einzelnen Schritte laufend auszuwerten und mittels den Teilzielen zu überprüfen. Folgende drei Punkte gilt es dabei zu beachten:


A.) Stimmt der Zeitpunkt für den Start?

Haben wir alle Abklärungen getroffen? Sind wir als Team wirklich bereit? Sind alle Beteiligten (Kinder, Eltern, Gemeinde...) umfassend informiert?


B.) Handel wir wirklich nach der neuen Methode?

Jeder Mensch ist ein Gewohnheitstier. Die Gefahr, dass wir unter Druck wieder in die alte Form verfallen ist gross. Deshalb ist es wichtig, dass alle Leiter hinter der neue Methode stehen und sich gegenseitig auf alte Verhaltensmuster aufmerksam machen.


C.) Hypothesen korrigieren.

Auf Grund neuer Informationen, kann sich der ursprüngliche Plan als mangelhaft erweisen. Das Team muss bereit sein, neue Erfahrungen in den Plan zu integrieren. 


7. Evaluation

Bei der Evaluation soll die Arbeit anhand der Zielformulierung überprüft werden. Dabei unterscheiden wir die Erfolgskontrolle (Frage: Sind die beabsichtigten Ziele erreicht worden?) und der Wirkungsanalyse (Frage: Welche Effekte sind unbeabsichtigt oder unerwünscht aufgetreten?). Dazu stehen uns folgende Möglichkeiten zu Verfügung:

=> Stimmungsbarometer, Standortbestimmung, Beobachtungen, Interviews...


Je nach Evaluation wird es nun nötig sein, den Kreislauf von neuem mit einer Situationsanalyse zu starten...


Übrigens...

Falls ihr eine "neue Form" gestartet habt, würde mich dies brennend interessieren. Melde mir doch kurz deine Erfahrungen an adrian.jaggi@besj.ch.


Quellennachweis

  • Titelbild: Juropa
  • Inhalt und Grafiken: A. Jaggi, BESJ

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