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Murmeln, Chlüre, Chlüri

Zuletzt bearbeitet am 30. Juni 2017
Murmeln, Chlüre, Chlüri

 … oder Schusser, Klicker etc.   Über 100 Namen gibt es allein im deutschsprachigen Raum für dieses Spiel und mindestens ebenso viele Spiele.


Wo sind die Chlüre / Murmeln geblieben?

In den Spielwaren-Läden kann man sie zwar noch finden, und besonders schöne Exemplare sieht man hin und wieder im Bonbonglas auf einem Bücherregal. Kinder, die mit Chlüre spielen sind jedenfalls rar geworden und nur noch wenige wissen, wozu diese bunten Glaskügelchen zu gebrauchen sind.  

Unsere Grosseltern erinnern sich

Damals war noch nicht jeder Winkel asphaltiert, noch nicht jede Ecke als Parkplatz verwendet. Auf der Strasse fand man leicht ein Fleckchen Erde, auf dem man ungestört "schussern" konnte. Alles, was man tun musste, war mit dem Schuhabsatz ein Loch in den Boden bohren, und es konnte losgehen. Die Strasse gehörte den Bewohnern und nicht dem Verkehr. Vor allem aber, gehörte die Strasse den Kindern.   Das Murmelspiel war ein Frühjahrsspiel: es kam, verzauberte ausnahmslos alle Kinder und verschwand genauso geheimnisvoll, wie es gekommen war.  

So spielten die alten Römer "Murmel und Nüsse sind den römischen Kindern genauso kostbar wie den Erwachsenen Gold", meinte einst der römische Schriftstelle Augustinus. Und er hatte Recht, denn das Murmelspiel (oder das Nüssespiel, bei dem statt Murmeln mit Nüssen geschussert wurde), zählte zur Zeit der alten Römer zu den beliebtesten Kinderspielen. Archäologen haben bei Ausgrabungen unzählige römische Murmeln zu Tage befördert, die man heute in den Schaukästen der Museen betrachten kann. Da gab es Steinmuscheln, tönerne und gläserne, so wie wir sie heute kennen. Murmeln sind vielleicht das älteste Spiel der Welt.  

Wo wir spielen

Wir können draussen spielen, im Garten, auf einer Anlage, beim Spielplatz, auf der Strasse, im Hinterhof und im Schulhof. Besteht überhaupt keine Möglichkeit im Freien zu spielen, sei es, weil es in Strömen giesst oder weil das Spielen auf der Strasse zu gefährlich ist, muss man trotzdem nicht aufs Klickern verzichten. Viele Spiele lassen sich nämlich genauso gut im Zimmer oder im Ameisliraum spielen.   Könner werfen oder rollen die Kugeln in einfachen, bis hin zu komplizierten Wurftechniken (Gelenkwurf, Daumenschuss, Schnippen). In der Ameisli steht aber die Freude am Spiel und nicht die Technik im Vordergrund. Los geht’s!  

Pungitan

Dieses Spiel benötigt mindestens zwei SpielerInnen und je eine Murmel und eine Zielmurmel. Auf den Philippinen kennt man dieses Murmelspiel, das früher mit kleinen runden Muscheln gespielt wurde. Dazu wird ein Kreis von 60 cm Durchmesser auf den Boden (oder Packpapier) gezeichnet, in dessen Mitte ein winziger, 2 cm grosser Ring gemacht wird. Der erste Spieler setzt seine Murmel auf den Rand des grossen Kreises und versucht mit seiner Wurfkugel nach einer Murmel, die im Minikreis gelegt worden ist, zu zielen. Trifft er sie, dann erhält er 1 Punkt. Kann er sie sogar mit seinem Schuss sowohl aus dem kleinen, als auch aus dem grossen Kreis schussern, dann erhält er 5 Punkte. Verfehlt er, dann geht er leer aus. Derjenige, der nach mehreren Runden die meisten Punkte er zielt hat, ist Gewinner.      

Ratemurmelspiel Par-Inpar (antikes Rom)

Es werden beliebig viele Murmeln benötigt. Das Spiel wird zu zweit gespielt. Par-Inpar war bei die den römischen Kindern sehr beliebt. Dazu hält ein Ameisli einige Murmeln in seiner Faust verborgen und fordert seine KameradInnen auf, zu erraten, ob es sich um eine gerade oder eine ungerade Anzahl handelt. Rät der Gegner richtig, erhält er einen Punkt, rät er falsch, geht der Punkt an den anderen. Dabei kann der Leiter beim Aufschreiben behilflich sein und bei den jüngeren Ameisli mit geraden und ungeraden Zahlen helfen. Beide SpielerInnen wechseln sich mit dem Verstecken und Raten solange ab, bis jemand 10 Punkte erreicht hat. Er darf von seinem Mitspieler eine Murmel als Belohnung einkassieren. Dieses Spiel eignet sich besser für ältere Ameisli. In der gleichen Zeit können die jüngeren Ameisli ein einfacheres Spiel versuchen.  

Grubenmurmelspiel Kanju (Indien)

10 - 12 Ameisli brauchen je eine Murmel. 1 - 5 m von einem 10 cm grossen Loch entfernt (je nach Schwierigkeitsgrad und Alter) wird eine Wurflinie gezogen. Der Reihe nach zielt jedes Ameisli auf dieses Loch. Diejenige die es zuerst trifft, hat gewonnen und scheidet in den folgenden Runden aus. Die anderen spielen weiter, wobei jede die trifft, ebenfalls ausscheidet. Dies dauert solange bis nur noch eine Spielerin übrig bleibt. Sie hat verloren und muss als Strafe vom Loch bis zur Wurflinie auf einem Bein hüpfen. Variante: Beim zweiten Durchgang (oder für Ausgeschiedene) ist die Wurflinie weiter vom Loch entfernt.  

Abpraller

10 - 12 Ameisli brauche je eine Murmel. Von einer Linie aus werden Murmeln gegen eine Wand geworfen. Trifft eine abprallende Kugel eine andere, gehören dem Schützen alle am Boden liegenden Murmeln.  

Variationen:

  • die Kugel muss beim Herunterfallen direkt treffen
  • es genügt auch, wenn sie beim Wegrollen eine andere berührt  

Torbogen

10 - 12 Ameisli brauchen mindestens zwei Kugeln. In eine Kartonschachtel wurden verschieden breite Eingänge geschnitten. Jeder Torbogen ist mit einer Punktzahl überschrieben - je kleiner der Eingang, desto höher die Punktzahl. Wer erreicht in 10 Versuchen die höchste Summe? Der Leiter hilft beim Zusammenzählen. Ältere Ameisli können behilflich sein.

Murmellabyrinth

Aus Kartonröhren, Schläuchen, Wasserrädchen, Schachteln und Glockentreppen lässt sich mit etwas Phantasie und Klebmaterial gut ein Labyrinth basteln. Sind verschiedene Ausgänge möglich oder landet die Kugel zuletzt in einer Ebene mit Punkteinstellung, ist's ein Glückspiel.   Ich hoffe, dass du ein Murmelspiel in einem deiner nächsten Ameislinachmittage einbaust. Viel Spass und gutes Gelingen.



Quellennachweis:

Autorin: Madeleine Bill, BESJ   www.besj.ch

Bild: www.Juropa.net


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Die Autoren: Irmgard
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