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Grundsätzliches zur Projektmethode

Zuletzt bearbeitet am 29. Juni 2015
Grundsätzliches zur Projektmethode

Für Leiter in der Kinder- und Jugendarbeit ist es sicher eine der schönsten Aufgaben, die Gaben, die Gott als Schöpfer jedem Menschen geschenkt hat, zu fördern und einzusetzen. Es ist wirklich (Herr)lich zu sehen, wie sie der Herr in die einzelnen Menschenleben hineingelegt hat und sehr bedauerlich, wie viel brachliegt, das eigentlich zum Wohl aller genützt werden könnte. 


Grundsatzgedanken zur Projektmethode

Es geht in der Teeniearbeit (und nicht nur da) nicht darum, gross nach Gaben zu suchen, sondern eher darum Programmarten und Methoden anzuwenden, welche die Gaben des einzelnen zum Vorschein bringen. Manche Leute in unseren Gemeinden suchen so lange nach Gaben, dass sie darüber das Dienen vergessen. Eigentlich sollte ja das Gegenteil eintreffen, nämlich, dass die Gaben zum Wohl des Ganzen dienen. Habe Mut, die Projektmethodik einzusetzen, weil in unseren Teenies viel mehr an Träumen, Ideen und Kreativität steckt, als wir uns je ausdenken können. Wir können, dürfen und müssen unseren Teenies noch viel, viel mehr zutrauen. Bist Du überzeugt davon, dass deine Teenies selbst Verantwortung übernehmen können? Es braucht nicht ein hohes Alter, um Entscheidungen (auch geistliche Entscheidungen) zu treffen! Du musst aber Raum schaffen für Experimente und es muss den Teenies und dir zugestanden werden, dass Fehler gemacht werden dürfen.  

Ich flechte hier nun noch einige Grundsatzgedanken zur Projektmethode ein, deren Quelle das Buch von Willi Erl „Methoden moderner Jugendarbeit II“ ist.  

Beim projektartigen Arbeiten mit einer Gruppe unterscheidet man verschiedene gruppenbezogene Projektmerkmale.  

1. Leiter-strukturierte Vorhaben
Bei den Leiter-strukturierten Vorhaben hilft der Leider der Gruppe in einer die Verwirklichung des Vorhabens deutlich prägender Weise. Er stellt das Thema oder die Aufgabe vor. Er sammelt Ideen, Meinungen und Fragen dazu. Er verteilt Untersuchungs- und Gestaltungsaufgaben an Einzelne, Paare oder Untergruppen. Er lässt die Ergebnisse in der Gesamtgruppe vorweisen oder berichten. Die Leiter-gelenkte Projektarbeit hat besonders dann ihren Sinn, wenn bisher stark autoritär geführte Gruppen zur Eigeninitiative ermuntert und zu selbständigem handeln hingeführt werden sollen. Das die Projekte steuernde Verfahren stellt gewissermassen eine Vorübung dar für die selbststrukturierende anwendungsweise der Methode.  

2. Selbst-strukturierte Projekte
Die Prägung der Vorhaben durch die Gruppenmitglieder selbst – darin gipfelt das Verfahren. In der selbst-strukturierten Projektsituation steht der Leiter am Rande des Gruppengeschehens. Er beobachtet den Ablauf und die Beziehungen der Gruppenmitglieder. Er macht auf Konsequenzen von Beschlüsse aufmerksam, falls diese nicht bedacht wurden. Auch auf organisatorische Notwendigkeiten kann er hinweisen, wenn sie in Vergessenheit geraten. Aber er schaltet sich sozusagen immer erst in letzter Minute ein, damit er nicht durch zu schnelles Weiterführen die Selbstentfaltung der Gruppe und ihrer Mitglieder beeinträchtigt. Besonders muss der Leiter auf der Hut sein, wenn sich die Gruppenmitglieder um Hilfe an ihn wenden. Gewährt er die gewünschte Hilfe auf anhieb, dann wird die Gruppe sich daran gewöhnen, immer Rat bei ihm zu suchen, sobald die Arbeit schwieriger wird. Und schliesslich wird er an Stelle der Gruppe das Projekt strukturieren.  

3. Projekte im Eigen- oder Fremdinteresse
Bei den leiter-gelenkten Vorhaben stellt sich die Frage, ob die Gruppe sich auch mit dem Projekt identifiziert und die Unternehmung als die ihre annimmt. Bei den selbst-strukturierten Vorhaben stellt sich die Frage so nicht; das Projekt ist von Anfang an eine von den Gruppenmitgliedern getragene Unternehmung. Freilich bedeutet dies nicht, dass alle Gruppenmitglieder dahinter stehen. Zur Motivation der Gruppe und der einzelnen, aber auch zur Einschätzung der Bedeutung eines Projektes wird es wichtig, Klarheit darüber zu gewinnen, in wessen Interesse eigentlich das Verwirklichen eines Vorhabens liegt. Wir können unterscheiden zwischen Fremd- und Eigeninteresse. Ich will hierzu je ein Beispiel aufführen.  

Projekt im Eigeninteresse:
Eine Projektgruppe, die sich in einem Dorf gebildet hat, um Freizeitprobleme der Jugendlichen zu lösen, verfährt zunächst so, dass sie die Bedürfnisse und Interessen der Jugendlichen erkundet. Daraus lässt sich ein mögliches ziel für die Projektgruppe ableiten. Es steht im eigenen Interesse der Jugendlichen, dass etwas sinnvolles daraus wird.  

Projekt im Fremdinteresse:
Jugendliche organisieren etwas, um in Notlagen hier in der Schweiz oder in Entwicklungsländern zu helfen. Eine Teeniegruppe sammelt Geld für Baumaterialien, insgesamt Fr. 20'000 mit dem die Bewohner des Elendsviertels eigenhändig Abend für Abend mit diesen Materialen ihre Schule bauen. Damit solche Hilfen wirksam werden, besteht oft die Notwendigkeit, grössere Projekte zu unternehmen oder eine ganze Reihe von Einzelprojekten in einem Gesamtprojekt durchzuführen. Im übrigen können die Gruppen, geht es um solidarische Vorhaben für andere, fordernder auftreten und mahnender agieren, als es für das Durchsetzen eigener Belange schicklich wäre.  

Die entscheidende Voraussetzung für die Projektmethode bildet die Motivation der Gruppenmitglieder. Bei den leiter-strukturierten Vorhaben muss der Leiter unter Umständen die Gruppe erst motivieren, sich an die Aufgaben zu machen, indem er Sinn, Nutzen und Bedeutung des Projektes klarzulegen versucht. Bei den selbst strukturierten Unternehmungen fällt ihm mitunter die Aufgabe zu, die Gruppe zu ermutigen, ihre begonnene Arbeit auch zu Ende zu führen.  

Wenn Du in Projekten arbeitest, gehst du mit deinen Teenies auf ein Ziel hin. Stecke einen möglichst weiten Rahmen, so dass die jungen Leute möglichst viel selbst gestalten können. Die Projektmethodik wird in den nächsten Jahren einen immer grösseren Anteil in unseren Programmen haben, weil hier Gott und seine Gaben, die er jedem Einzelnen geschenkt hat, ernst genommen werden.  

Seit einigen Jahren arbeite ich in meinen Lagern vor allem mit Projektmethodik. Seit diesem Zeitpunkt entscheiden sich viel mehr Teenies für ein Leben mit Jesus. Dies hängt sicher nicht nur, aber auch mit dem projektartigen Arbeiten zusammen. Die Teenies spüren, dass die Gaben, die Gott in sie gelegt hat, gut sind und sie diese einsetzen und fördern können. Diesen Herrn, der sie mit diesen wunderbaren Gaben geschaffen hat, und sie immer ernst nimmt, diesem Schöpfer, der es so gut mit ihnen meint, möchten sie nun vermehrt vertrauen, ja sich ihm ganz anvertrauen.  

Wenn ich mit der Projektmethodik arbeite, nehme ich diesen Herrn ernst, der so viel in unsere Teenies hineingelegt hat. Ich nehme diese Teenies ernst, die Gott so lieb hat, und ich nehme seinen Auftrag ernst, weil ich das Beste geben will.  



Quellennachweis

Inhalt: Hansjörg Kaufmann nach Buch von Willi Erl "Methoden moderner Jugendarbeit II"
copyright: BESJ Fällanden www.besj.ch

Bild: Juropa.net www.juropa.net


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