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Gestern war er noch da!

Zuletzt bearbeitet am 01. Februar 2016
Gestern war er noch da!

Kinder wollen auf ihre Fragen eine Antwort haben. Deshalb müssen zuerst wir Erwachsenen selbst uns klar werden, was Tod und Ewigkeit bedeuten. 

Was Tod und Sterben angeht, kann man in unserer Zeit und Gesellschaft zwei gegensätz- liche Entwicklungen beobachten: Auf der einen Seite werden wir ständig und oft sehr detailliert mit dem Tod konfrontiert. Auf der anderen Seite scheint das Reden über Tod und Sterben tabu zu sein. 




Tod, das erleben andere, davon hört und sieht man im Fernsehen, davon liest man in der Zeitung. Aber mit mir und meinem Leben hat das nichts zu tun. Man ist auf den Tod – den eigenen oder den eines geliebten Menschen – nicht vorbereitet. Deshalb ist man äußerst hart von ihm betroffen, wenn er ein- tritt. Die Gedanken an den Tod sind für viele unheimlich, sie machen Angst und zeigen die Begrenztheit menschlichen Lebens. Aus diesem Grund werden die Gedanken verdrängt und zum Schweigen gebracht.

Und deshalb ist es auch klar, dass wir Erwachsenen Schwierigkeiten haben, wenn Kinder uns nach Tod und Ewigkeit fragen. Wir haben keine oder kaum Erfahrungen oder Gesprächsübung. Aber die Kinder wollen auf ihre Fragen eine Antwort haben. Deshalb müssen zuerst wir selbst uns klar werden, was Tod und Ewigkeit bedeuten.


Situation für ein Gespräch mit Kindern

Um mit Kindern über das Thema zu reden, gibt es grundsätzlich zwei Situationen: bevor ein Todesfall eintritt und im Todesfall selber.

Bevor ein Todesfall eintritt
Man kann Erfahrungen vorbereiten, indem man mit den Kindern über leidvolle Erlebnisse oder den Tod spricht, bevor sie solche Situationen selbst erleben. Dadurch können sie ein Bewusstsein für den Tod entwickeln. Sie können sich in Ruhe damit auseinandersetzen, wenn sie noch nicht so stark emotional davon ergriffen sind.

Möglichkeiten zum Gespräch ergeben sich durch: Beobachtungen in der Natur (tote Tiere, Pflanzen, Verwandlung einer Raupe zum Schmetterling), Lesen von Kinderbüchern zum Thema, biblische Geschichten, Todesfälle in Fil- men, Nachrichten etc.

Im Todesfall
Im Todesfall selber reagiert man auf Fragen und Verhaltensweisen des Kindes, wenn sie von ihm ausgehen, oder spricht das Geschehene und seine Gefühle an. Der Vorteil dabei ist, dass beim Kind Interesse und Betroffenheit vorhanden sind. Allerdings kann die persönliche Betroffenheit ein Gespräch mit dem Kind auch sehr schwierig machen.


Regeln und Tipps für das Gespräch

Wie kann man mit Kindern über den Tod reden? Was soll man beachten, wenn Kinder den Tod eines nahe stehenden Menschen erlebt haben?

Sich den Fragen stellen
Wenn Kinder Fragen haben, darf man ihnen nicht ausweichen. Die Kinder brauchen das Wissen und die Unterstützung der Erwachsenen bei der Verarbeitung eines Todes.

Die Antworten, die man den Kindern gibt, sollen ehrlich und richtig sein. Halbwahrheiten verunsichern Kinder, sie machen ihnen Angst oder werfen nur neue Fragen auf. Aussagen, die man später korrigieren muss, zerstören Vertrauen. Wenn man auf eine Frage keine Antwort weiß, muss man auch keine erfinden. Man darf dem Kind auch seine eigene Unsicherheit zumuten.

Beispiele für irreführende Antworten auf die Frage nach einem Verstorbenen: „Er ist von uns gegangen.“ – Warum ist er gegangen? Mag er uns nicht mehr?

Wann kommt er denn wieder?
„Er ist eingeschlafen.“ – Diese Aussage kann bei Kindern die Angst wecken, dass sie auch sterben, wenn sie nachts schlafen. Schlafstörungen können die Folge sein.

„Er ist uns verloren gegangen.“ – Dann suchen wir ihn eben! Wir werden ihn schon wieder finden!

„Gott war einsam und wollte Mama bei sich im Himmel haben.“ – Das kann Kinder wütend auf Gott machen: Wie kann er uns das nur antun!

Insgesamt soll man darauf achten, dass man Kinder bei Gesprächen nicht überfordert. Kinder brauchen oft nur kurze, einfache Antworten und keinen langen, theoretischen Vortrag. Bevor man ein Gespräch beendet, sollte man beim Kind nachfragen, ob es alles verstanden hat, ob ihm die Erklärungen reichen, ob es zufrieden ist. Man kann das Kind auch erzählen lassen, was es verstanden hat. Dann bekommt man einen Einblick in seinen kindlichen Vorstellungsbereich und weiß, was es aufgenommen hat. Man sollte dem Kind auch versichern, dass es gerne wieder kommen kann, wenn es weitere Fragen hat.

Das Kind einbeziehen
Es ist wichtig, dass das Kind in die Trauer in der Familie einbezogen wird. Dadurch kann es seinen eigenen Schmerz ausleben. Es ist nicht gut, ein Kind von all den Dingen, die sich nach einem Todesfall ereignen, abzuschirmen. Kinder haben extrem feine Antennen für Stimmungen und Gefühle anderer und für die Atmosphäre, die in ihrer Umgebung herrscht. Es würde sie sehr verunsichern, die Unruhe und Traurigkeit in der Familie wahrzunehmen und den Grund dafür nicht zu kennen.

Wenn ein Kind es möchte, soll es auch an der Beerdigung teilnehmen. Sie ist eine gute Möglichkeit, vom Verstorbenen bewusst Abschied zu nehmen. Die Anteilnahme von Verwandten, Freunden und Bekannten bei der Beerdigung kann dem Kind verdeutlichen, dass zwar ein Mensch gestorben ist, es aber noch viele andere gibt, die zu seiner Familie stehen.

Liebe zeigen und geben
Den meisten Beistand braucht ein Kind, wenn jemand gestorben ist, der ihm nahe stand: ein Elternteil, eins von den Geschwistern, einer der Großeltern. Es braucht dann zuverlässige Nähe und Geborgenheit, denn Leid und Trauer wird von ihnen in der Nähe liebender Menschen viel besser bewältigt, als wenn sie allein gelassen werden. Zudem wirft die Trauer um den Verstorbenen und das häufige Reden über ihn bei Kindern die Frage auf, ob sie überhaupt noch wichtig und geliebt sind. Auch deswegen ist es nötig, dass ein Kind in dieser Zeit viel Liebe empfängt. 


Gefühle zulassen

Kinder reagieren auf den Tod eines Menschen sehr unterschiedlich. Auch in ihren Gefühlsäußerungen gibt es große Schwankungen. Wichtig ist, dass man den Kindern die Möglichkeit gibt, ihre Gefühle zuzulassen. Wenn man als Erwachsener seine Gefühle wie Traurigkeit oder Wut zeigt, sehen die Kinder, dass es erlaubt ist, zu trauern, zu weinen und wütend zu sein und fassen Mut, es auch zu tun. Offenheit zueinander kann klären, warum sich wer wie verhält und wer jetzt was braucht. Allerdings kann die Trauer der Erwachsenen Kinder auch zusätzlich belasten. Bisher haben sie die Erwachsenen als stark erlebt, nun sind sie schwach und verunsichert. Wer gibt ihnen jetzt Schutz und Sicherheit? Manchmal unterdrücken Kinder die eigenen Gefühle, um zum Beispiel die Eltern nicht noch trauriger zu machen. Wenn Eltern zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind und keine Augen und Kraft für die Trauer der Kinder haben, ist es wichtig, dass Freunde und Bekannte sich den Kindern zuwenden und ihnen helfen, ihre Trauer zuzulassen. 

Manchmal wirken Kinder anfangs gefühllos und unberührt. Das kann bedeuten, dass für sie der Verlust momentan zu groß ist. Die Kinder können ihn noch nicht realisieren und zulassen. Manche Kinder lachen auch bald wie- der, sind fröhlich oder stellen Fragen, die für Erwachsene „pietätlos“ klingen. Auch das zeugt nicht von Gefühllosigkeit, sondern es handelt sich dabei meist um einen Schutzmechanismus, mit dem sich die Kinder gegen starken Trennungs- und Verlustschmerz helfen. Tod kann neben Trauer auch Wut hervorrufen, denn der erstorbene hat die bisher heile und glückliche Welt des Kindes kaputt gemacht. Alle reden nur vom Toten und sind traurig. Zählt das am leben gebliebene Kind nichts mehr?

Am besten kann ein Kind den Schmerz verarbeiten, wenn es sich gedanklich mit dem Verstorbenen beschäftigt (z.B. beim Anschauen von Fotoalben), wenn es von gemeinsam Erlebtem erzählt und evtl. auch Bilder über seine Gefühle malen kann.

Schuldgefühle ausräumen
Es kommt beim Tod eines geliebten Menschen immer wieder zu Schuldgefühlen bei Kindern, weil sie glauben, dass der Tod mit einem schlechten Verhalten von ihnen zu tun hat. Er ist sozusagen eine Strafe dafür. Ihrer Erfahrung nach passieren ja dann unangenehme Dinge, wenn sie „unartig“ waren. Vielleicht haben sie im Zorn den Menschen schon mal tot oder weg gewünscht oder sich vor kurzem mit ihm gestritten oder waren zu wenig lieb zu ihm oder haben etwas versäumt. Hier dürfen und müssen wir den Kindern versichern, dass solche Wünsche, Gedanken oder Taten keinen Einfluss auf den Tod der Person hatten.

Das Kind Kind sein lassen
Das Kind darf nicht die Stelle einer verstorbenen Person einnehmen oder deren Ersatz werden. Es kann anderen Geschwistern nicht die Mutter oder den Vater ersetzen, es kann dem verbleibenden Elternteil nicht den Partner er- setzen. Es ist schon schwer für ein Kind, einen geliebten Menschen zu verlieren. Man darf es nicht zusätzlich noch seiner Kindheit berauben.

Etwas tun
Kinder haben oft das Bedürfnis, für Verstorbene etwas zu tun, wie z.B. das Hinlegen einer Blume, das Anzünden einer Kerze am Grab. Regelmäßige Besuche am Grab (z.B. auch zu Weihnachten, am Geburtstag) können eine Hilfe im Umgang mit dem Tod und der Trauer sein.

Bezugspersonen informieren
Bezugspersonen der Kinder – wie z.B.Lehrer, Erzieher, Gruppenleiter – sollten über den Todesfall informiert werden.Dann können diese abweichendes Verhalten der Kinder besser einordnen und ihnen zur Hilfe werden.



Quellennachweis


  • Inhalt und Bild:
 Forum Kind Heft 1/08, Seiten 14 + 15. Mit Kindern über den Tod und das Sterben reden. © Copyright www.forum-kind.ch
  • Autor: Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Bericht „Gestern war er noch da ...
– mit Kindern über Tod und Ewigkeit reden“, erschienen im KIMAT 6/06. Abdruck im Forum-Heft mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

    Grundlage des Artikels: Vortrag von Dr. Günter Krüger, Christentumsgesellschaft in Deutschland, Bayreuth Buch „Mit Kindern über den Tod sprechen“ von Earl A. Grollmann, Aussaat Verlag, Neukirchen-Vluyn 

Die Autoren: Irmgard, Ramba
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