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Filmen wie die Profis

Zuletzt bearbeitet am 27. Februar 2016
Filmen wie die Profis

Diesen Workshop wurde von mir im Rahmen eines Camps (Steven Spielfilm - das Geheimnis des roten Fadens) von Bibellesebund vorbereitet. Er behandelt das Thema Film angefangen von der Grundidee hin zur Produktion und der Nachproduktion.

Natürlich wäre es eine Illusion zu denken, dass nach diesem Workshop "Filmen wie die Profis" die professionellsten Filme herauskommen würden. Profis arbeiten in einer ganz anderen Liga und verwenden sehr teures Equipment. Damit haben sie Möglichkeiten, die wir so nicht haben. Doch es geht um einige grundsätzliche Dinge, auf die man achten soll und die einen Film etwas professioneller machen.


Die Vorproduktion

Die Vorproduktion kann gut als "Planungsphase" bezeichnet werden. Diese Phase ist nicht zu unterschätzen. Je mehr in die Planung investiert wird, desto weniger Überraschungen entstehen in der Phase der Produktion.


Die Idee

Ganz am Anfang steht immer die Idee. Ohne eine Idee macht es überhaupt keinen Sinn, einen Film produzieren zu wollen. Es geht darum eine gute Geschichte zu entwickeln und diese Geschichte setzt eine Idee voraus. Doch wie zeichnet sich eine gute Geschichte aus? Hier einige Kriterien dazu:

  • Die Geschichte muss eine klare Absicht enthalten
  • Spannende Wendepunkte sollten eingebaut werden
  • Die Aussage der Geschichte sollte klar formuliert sein

Folgende Fragen sollten beantwortet werden können:

  • Was ist die Handlung der Geschichte?
  • Welche Charakteren kommen in der Geschichte vor? Wie ticken diese? In welchem Verhältnis stehen die einzelnen Charateren zu einander?
  • Wie beginnt und wie endet der Film?
  • Was ist die Aussage des Films?
  • Wie sieht der Spannungsbogen aus?
  • Welches sind die dramatischen Wendepunkte im Film (auch Plot-Points genannt)?

Sind diese Fragen geklärt, sollte eine kurze Zusammenfassung (ein Exposé) der Geschichte geschrieben werden.


Drehbuch

Aus den Ergebnissen der ersten Planungsphase wird ein Drehbuch verfasst. Ein gutes Drehbuch ist in einer sehr strikten Struktur abgefasst. Es besteht aus folgenden Bestandteilen.

Die Szene

Zuerst wird eine Szenenüberschrift erstellt. Folgende Fragen müssen dabei beantwortet werden:

  • Wird die Szene INNEN oder AUSSEN gedreht?
  • WO spielt die Szene?
  • WANN spielt die Szene (z.B. TAG, NACHT)?

Eine Szenenüberschrift kann bspw. so aussehen:
INNEN - BADEZIMMER - ABEND

Wann immer sich etwas verändert, bspw. zuerst INNEN und dann AUSSEN gedreht wird, sich die Location oder die Tageszeit ändert, muss eine neue Szene angelegt werden.

Die Handlung 

Zuerst wird einmal eine Handlung erwartet. Irgendetwas geschieht in der Szene. Diese Beschreibung sollte kurz und prägnant gehalten sein. Wichtige Details die im Film gezeigt werden sollen, müssen natürlich in der Handlung vorkommen. Alle Details müssen in der Geschichte relevant sein.

Kommt eine Person das erste mal in der Geschichte vor, so wird diese in GROSSBUCHSTABEN geschrieben.

Beispiel:
MONIKA schaut in den Spiegel. Sie ist erschöpft. Tränen laufen ihr über die Wange. Ihre MUTTER kommt durch die Tür.

Die Dialoge 

Dialoge sollten kurz gehalten werden. Lange Dialoge können langatmig wirken. Im Drehbuch ist ein Dialog folgendermassen aufgebaut:

  • Zuerst kommt der Sprecher in GROSSBUCHSTABEN
  • In der nächsten Zeile steht die Art und Weise, wie gesprochen wird in Klammern. Dieser Teil kann in der Regel weggelassen werden, wenn es vom Satz und Dialog her klar ist
  • Danach steht schliesslich der Dialog in normaler Schreibeweise und ohne Anführungs und Schlusszeichen.

Dialoge werden im Drehbuch von links her eingerückt.

Beispiel:
MUTTER(besorgt)Was ist denn los mit dir? Kann ich dir helfen?

Regie und Kameraanweisungen 

Regie und Kameraanweisungen gehören eigentlich nicht ins Drehbuch. Wenn jedoch ein bestimmter Dreh eine bestimmte Einstellung erfordern sollte, dann kann es manchmal sinnvoll sein, dies zu vermerken. Dazu werden folgende Abkürzungen verwendet:

  • T = Totale
  • N = Nah
  • CU = Close up
  • POV = Point of view

Auch Szenenübergänge werden nicht ins Drehbuch geschrieben. Allerdings haben sich

  • FADE IN
  • FADE OUT

für den Filmanfang, für das Filmende, bzw. den Szenenstart und das Szenenende etabliert.


Storyboard

Ein Storyboard ist eine weitere Möglichkeit, den Film zu planen. Hier werden die einzelnen Szenen skizziert. Das verschafft einen Überblick über die einzelnen Szenen und den Ablauf des Films.


Die Produktion


Die Kamera

Die Wahl der "richtigen" Kamera ist in der Regel keine leichte Wahl. Es gibt schier unzählige Möglichkeiten und jede Kamera hat ihre Vor- und Nachteile. Das wichtigste Kriterium bei der Wahl, sind natürlich die Kosten. Während einige Camcorder und DSLR-Modelle bereits ab ein paar hundert Franken zu haben sind, so können grössere Kameras gut einige Tausend oder gar Zehntausend Franken und mehr betragen.

Hier einige Kamara-Typen und ihre Vor- und Nachteile:

Digitale Spiegelreflexkamera (DSLR)
sind eigentlich dazu konzipiert Fotos zu erstellen. Doch sie werden auch bei Filmproduktionen immer mehr eingesetzt.


Die Tonaufnahme

Für die Tonaufnahme kommen entweder Mikrophone, die in der Kamera verbaut sind zum Einsatz oder externe Mikrophone. Wie bei den Kameras gibt es auch hier qualitativ grosse Unterschiede.

Gesprochene Texte werden vielfach mit einem Richtmikrophone aufgenommen. Um auch mit diesen Mikrophones nahe an den Sprecher heranzukommen, kommen Tonangeln zum Einsatz. Weitere Möglichkeiten sind auch kleine Mikrophone, die dem Sprecher angesteckt werden.

Die Atmo (also die Hintergrundgeräusche) sollten ebenfalls vor Ort aufgenommen werden. Hierbei kommen Mikrophone zum Einsatz, die von ihrer Charakteristik einen grösseren Dynamikumfang mitbringen.

Es kann eine Hilfe sein vor Ort mal eine oder mehrere Minuten nur den Ton der Umgebung aufzunehmen und zu analysieren. Dadurch werden Störgeräusche schon vor der eigentlichen Produktion erkannt. 


Stabilisierungs-Systeme

Stative gehören zu der Grundausrüstung eines jeden Kamaramannes. Gerade im Telebereich sollte nicht darauf verzichtet werden. Bei den Stativen kommt es sehr auf den Nutzen an, wie sie eingesetzt werden. Teure Stative können sehr robust sein und eine Traglast von mehreren KG aufweisen. Sehr entscheidend ist der Stativkopf. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Schwenks (horizontal und vertikal) flüssig gehen. Gerade bei günstigen Stativen ist das oft der grösste Mangel.

Bei bewegten Aufnahmen kommen Systeme wie die Steadycam oder Glidecam zum Einsatz. Es gibt Systeme, die von Hand getragen werden und die Kameraführung erleichtern. Doch gerade bei längeren Drehaufnahmen oder bei entsprechend schweren Kameras ist ein System, welches über die Hüfte und Schultern getragen wird, unverzichtbar.



Verschiedene Einstellungsgrössen

Ein Film lebt von verschiedenen Einstellungsgrössen. Durch diese Einstellungen erreichen wir etwas beim Zuschauer. Bei jeder Einstellungsgrösse sollte daher nach dem Grund gefragt werden. Also, warum entscheide ich mich gerade für diese Einstellung. Hier einmal ein paar Einstellungen und was durch sie bezweckt wird:

Die Totale gibt dem Betrachter ein Überblick über die Szene. Es zeigt die Protagonisten in dem Umfeld, in dem sie sich bewegen. Eine extreme Form der Totale nennt man Supertotale. Diese werden sehr weitwinklig aufgenommen und in dieser Einstellung wirken die Schauspieler extrem klein. Dabei steht die Landschaft im Zentrum.

In der Halbtotalen, werden nun die Protagonisten in voller Lebensgrösse dargestellt. Es nimmt den Betrachter mehr in die Handlung mit rein. Dabei geht es um die Aktion in der Handlung.

Eine spezielle Einstellungsgrösse nennt sich "Amerikanisch". Dabei werden die Schauspieler ungefähr bis zu den Knien dargestellt.

In der Einstellungsgrösse Halbnah kann die Gestik gut dargestellt werden. Bei der Nah-Einstellung geht es hingegen zentral um die Mimik.

In der Detailaufnahme wird das Augenmerk auf ein bestimmtes Detail gerichtet, bspw. die Sonnenbrille des Jungen oder den Inhalt der Tasche der Frau.

Im Film werden abwechslungsweise verschiedene Einstellungsgrössen verwendet. Das erzeugt Spannung. Nachfolgend ein Bild, welches diese verschiedenen Einstellungsgrössen verdeutlichen soll.



Die Perspektiven

Neben den Einstellungsgrössen, werden auch unterschiedliche Perspektiven verwendet. Dabei kommt es darauf an, in welchem Winkel die Kamera auf das Objekt gerichtet wird.

Der Normalfall ist die Normal-Perspektive. Es wird auf "Augenhöhe" gedreht. Diese Perspektive ist bspw. üblich bei Interviews.

Bei der Untersicht, wird die Kamera von unten her auf die Szene gerichtet. Das kann eine gewisse Dominanz oder Überlegenheit ausdrücken. Aber auch das Gegenteil ist möglich, wenn bspw. Leute in der grossen Halle eines Airports auf die Anzeigetafel blicken und diese übermässig gross erscheint. Eine extreme Form der Untersicht ist die sog. Froschperspektive.

Bei der Aufsicht, wird die Kamera von oben her auf die Szene gerichtet. Es kann Hilflosigkeit, Einsamkeit ausdrücken. Aber auch eine Übersicht ist aus dieser Perspektive möglich, bspw. ein Schlachtfeld zu zeigen. Die extreme Form hier ist die sog. Vogelperspektive.


Die Nachproduktion (Post-Produktion)


Der Video-Schnitt

Der Videoschnitt kann eine sehr aufwändige Sache sein. Zuerst brauchst du eine Software mit der du die erstellten Clips schneiden kannst (bspw. Adobe Premiere, Final Cut Pro X, Magix Video Deluxe, Vegas, etc.). Gerade bei grösseren Projekten ist Ordnung sehr wichtig. Wenn ihr ein Drehbuch erstellt hattet könnt ihr beim Import die Filme den Szenen zuordnen. Doch es sind auch andere Vorgehensweisen denkbar. Beginne zuerst mit einem Grobschnitt und verfeinere diesen später. Im professionellen Schnitt ist der üblichste aller Schnitte der harte Schnitt. Setze Überblendungen nur sehr spärlich ein.


Die Vertonung

Bei der Vertonung wird zuerst darauf geachtet die Sprechertexte in einem guten Verhältnis zur Atmo abzumischen. Sound-Designer machen aus diesen zwei Teilen eine neue Masterspur. Darauf wird dann die Hintergrundmusik und die Soundeffekte abgemischt. Mit der Musik kann sehr viel bewirkt werden. Die Musik gibt den Ton an. Schau dir einmal einen Action-Streifen ohne Musik an. Der Film verliert seine ganze Wirkung. Die Musik trägt zum Spannungsbogen bei und vermittelt Emotionen.


Effekte und Animationen

Effekte und Animationen sind zwar cool, aber in der Regel auch sehr aufwändig zu realisieren. Am einfachsten sind sog. Keyframe-Animationen, bei der ein Objekt (Video, Grafik, etc.) in der Timeline über zwei Punkte in Grösse, Position, Drehung, etc. verändert wird.


Bildnachweis

  • Titelbild: René Graf
  • Einstellungsgrössen: Fotolia

Die Autoren: grafodil, Ramba
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