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Commitments - Ein Thema, drei Meinungen

Zuletzt bearbeitet am 02. September 2015
Commitments - Ein Thema, drei Meinungen

 

In der Praxis zeigt sich die Tauglichkeit von Commitments.


Ein Thema, drei Meinungen

Ob Führungsinstrument, Orientierungshilfe oder Teambildungsinstrument – in der Praxis zeigt sich die Tauglichkeit von Commitments. Ein Trainer, eine Spitzensportlerin und ein Verbandsfunktionär nehmen Stellung.

Eine Verpflichtung mit sich selber  

In meiner Trainertätigkeit bin ich mit Jugendlichen konfrontiert, die den Schritt vom Hobby- zum Leistungssportler machen. Mir ist dabei wichtig, dass jede Person im Team das Gefühl hat, ernst genommen zu werden. Die Ausarbeitung von Commitments hilft mit, alle Mitglieder -  über die Spieler, den Trainer, die Physiotherapeuten, etc. – in die Verantwortung mit einzubeziehen und Werte und Grundhaltungen zu thematisieren. Daraus definiert sich schlussendlich die „Teamkultur“. So erklärt sich das ganze Team bereit, die umschriebenen Handlungs- und Verhaltensregeln einzuhalten. Wer sich einverstanden erklärt, übernimmt damit Verantwortung für sein Handeln und hilft, ein Gemeinsamkeitsgefühlt zu entwickeln.  

Commitment ist für mich also eine Verpflichtung mit mir selber und mit dem Team. In zweiter Linie ist es auch ein Führungsinstrument. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Zielsetzungen sind Inhalte, die geklärt und eingehalten werden müssen. Auch die Konsequenzen bei Verstössen gegen diese Regeln müssen bekannt sein. Nach meinen Vorstellungen muss sich ein Mitglied eines Nationalteams gewissen Gegebenheiten und Regeln unterordnen können. Diese geben der Verband und die Trainer vor. In anderen Bereichen sollen die Spieler mitbestimmen können und auch Verantwortung für Aufgaben übernehmen. So können beispielsweise die Mannschaftskasse, das Material oder interne Teamanlässe von ihnen selber organisiert werden. „Was kann ich tun, um dem Team zu helfen?“ ist die wichtige Frage.  

Bei der Erarbeitung eines Commitments konfrontiere ich meine Spieler mit ihrer Einstellung und Motivation zum (Leistungs-)Sport. Wieso betreibe ich Leistungssport? Wie treten wir auf und wie wollen wir von aussen wahrgenommen werden? Ich gebe wo nötig den Rahmen vor, überlasse aber der Mannschaft die genauer Erarbeitung. Ich greife höchstens ein, wenn ich mich mit einzelnen Vorschlägen der Spieler nicht identifizieren kann. Die Diskussiion ist auch nützlich, individuelle Zielvereinbarungen mit den Spielern zu erarbeiten. Mit dem Bestimmen von kurz-, mittel- und langfristigen Zielen, in regelmässigen Abständen überprüft und angepasst, werden persönliche Commitments für den Spieler geschaffen.  

David Egli ist J+S-Fachleiter Handball und Trainer der U17 Nationalmannschaft    

Den gleichen Weg einschlagen  

Im Beachvolleyball stehen wir zu zweit auf dem Feld. Einen gemeinsamen Nenner zu finden, ist daher einiges einfacher als beispielsweise in einer Fussballmannschaft. Wenn wir als Team den Sand betreten, wollen wir selbstverständlich gewinnen – aber nicht um jeden Preis. Mit einem Shakehands zu Beginn des Spiels gehen wir ein unausgesprochenes Commitment mit unserem Gegner ein, dass wir einander respektieren und achten und dass wir uns fair verhalten werden. Gemeinsame Grundwerte sichern einen fairen Wettkampf, in dem alle mit gleichen Mitteln kämpfen.

In meiner sportlichen Karriere habe ich Commitments als Orientierungshilfe und Instrument zur Teambildung erlebt. Wenn sich meiner Partnerin auch an die getroffenen Abmachungen hält, entsteht für uns beide eine gewinnbringende Situation. „To commit“ heisst auch „anvertrauen“. Wir vertrauen einander, dass wir uns an die Vereinbarungen halten. Diese betreffen Trainingseinsatz, Schlaf, Pünktlichkeit, Verhalten auf dem Feld, aber auch Dopingmissbrauch, Ernährung und vieles mehr. Die Abmachungen helfen uns, effizienter zu trainieren und unser Ziel zu erreichen. So sind meine Partnerin und ich sicher, dass wir beide den gleichen Weg einschlagen.  

Echte Commitments entstehen nur im Dialog. Die Vorstellungen aller Gesprächspartner müssen dabei berücksichtigt werden. Ein autoritärer Führungsstil schliesst diese Kriterien aus. Um einen Dialog eingehen zu können, muss der Trainer fähig sein, die Sicht seiner Athleten einzunehmen, und bereit sein, ihnen zuzuhören. Die Athleten ihrerseits mfiese Prozesse der gemeinsamen Ausarbeitung stärken die Teambildung. chungen von einigen nicht mehr eingehaltern werden. all ungüssen ihre Motive, Anliegen und Lösungsvorschläge klar formulieren und kommunizieren. Nur so können verbindliche Commitments entstehen, an die sich alle Beteiligten halten werden.  

Nicole Schnyder-Benoit war Olympiateilnehmerin 2004 im Beachvolleyball.    

Leuchttürme weisen den Weg  

Trainerinnen und Leiter sind in ihrer Vereinsarbeit mit verschiedensten Aufgaben konfrontiert. Sie müssen die Athletinnen und Spieler sowohl technisch und taktisch ausbilden als auch konditionell und koordinativ fördern. Ein Aspekt wird leider noch allzu oft vergessen: die Entwicklung der sozialen Kompetenz. Dabei geht es gerade im Sport häufig um Fragen der Ethik, insbesondere des Fairplay, oder um Verhaltensfragen, beispielsweise im Umgang mit Suchtmitteln. Commitments stellen ein gutes Instrument dar, um Abmachungen in einem Kader, Verein, Team oder in der Schule zu definieren und festzuhalten. Diese Abmachungen können mit Leuchttürmen verglichen werden. Sie erleichtern uns die Orientierung. Entscheidend ist, dass die Bekenntnisse aus einem Prozess mit der Mannschaft oder dem Einzelathleten hervorgehen. Denn die Erfahrung zeigt, dass direktive Vorgaben wenig nachhaltig sind und gerade zu einer Übertretung auffordern. In der Gruppe muss auch diskutiert werden, was geschieht, wenn „das Licht des Leuchtturms“ nicht mehr brennt oder übersehen wird, die von allen getroffenen Abmachungen von einigen nicht mehr eingehaltern werden. All diese Prozesse der gemeinsamen Ausarbeitung stärken die Teambildung.  

In einem Referat habe ich mit Eishockeytrainern das Sportjahr 2004 reflektiert. Zu den vorgegebenen Grossereignissen „Olympische Spiele Athen“, „Fussball Europameisterschaft“ und „Tour de France“ mussten sie spontan passende Begriffe nennen. Die Antworten – „Doping und Emotionen“, „Spuckaffäre Frei“ oder „Armstrong und Doping“ – zeigen, dass das Thema „Fairness“ aktueller denn je ist. Die Verbände sind also aufgefordert, in diesen Bereichen klar Stellung zu beziehen. Die Aufgabe von Swiss Olympic liegt darin, die Sportverbände zu unterstützen und ihnen geeignete und einfache Hilfsmittel mit auf den Weg zu geben – zum Beispiel mit „cool and clean“, „sport.rauchfrei.“ oder mit Massnahmen gegen sexuelle Ausbeutung im Sport. Ich selber arbeite als Trainer der U18 Faustballnationalmannschaft mit diesen Hilfsmitteln. Sie ermöglichen mir, ein starkes und homogens Team zu bilden. Meine Spieler sind sich ihrer Vorbildrolle bewusst und strahlen dadurch auch mehr Selbstvertrauen auf dem Spielfeld aus.  

Hanspeter Brigger ist Projektleiter „cool and clean“ von Swiss Olympic Talents.



Quellennachweis:

Inhalt: Jugend+Sport, mobile 1, Dez. 2004, COMMITMENTS

copyright: www.mobile-sport.ch

Bild: www.juropa.net


Die Autoren: Irmgard
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